Waibel Auto AG

Erinnerungen aus meinem Leben

Hans Werner Waibel 7.10.1914 – 5.12.1999
Aufgeschrieben 1999 von Tonband Aufnahmen, die mein Vater ca. 1992 gemacht hat.
Bearbeitet und Fotos eingefügt vom Sohn Hans Waibel,  3 Monate vor dem Tod des Vaters.

 

 

 

 

 

Meine Eltern (Erklärung, diese Geschichte ist von meinem Vater Hans Waibel sen. 1914 - 1999 erzählt worden)

Mein Vater Julius Waibel wurde 1889 in Bonndorf in Deutschland geboren. Nach dem Besuch der Kantonsschule wanderte er 1910 nach Zürich aus und wohnte im Seefeld. Hinter meinem Geschäft Auto-Sattlerei Kreuzstrasse 36 waren zwei Häuser, im Parterre waren zwei Pferdestallungen, dort hat mein Vater als Pferdewärter gearbeitet. Nachher zog er nach Wiedikon zum Pferdehändler Guggenheim. Diese Stallungen stehen heute noch und sind im Besitze des Car- und Taxi-Halter Winterhalder. In dieser Zeit musste mein Vater sehr oft nach Paris zum Pferde einkaufen und abholen. Als Dolmetscherin nahm er seine damalige Braut mit, die er 1912 heiratet und meine Mutter war.

Foto: Vater und Mutter etwa 1912

Meine Mutter kam aus dem Bergdorf Saxeten im Berneroberland. Nach Schulaustritt ging sie zuerst, als Mädchen für alles nach Matten, in einer Metzgerei. Sie war zwei Jahre in Matten, nachher ging sie für ein Jahr nach Roll an den Genfersee, wieder in eine Metzgerei daher konnte sie französisch. Von dort nach Zürich in eine Wirtschaft Ecke Zimmergasse Reinhardstrasse, wo jetzt eine Bauspenglerei ist, als Serviertochter, dort lernte sie meinen Vater kennen. Die Hochzeitsfoto wurden in einem Photo-Atelier an der Kreuzstrasse 36A gemacht, indem dann später meine Auto-Sattlerei war. Dieses Photoatelier wurde abgerissen nach dem ersten Weltkrieg. Dann wurde das Gebäude gebaut wo die Autosattlerei stand. Dieses Gebäude wurde nach dem 2. Weltkrieg abgerissen, darauf wurde ein Hotel gebaut es hiess Butterfly. An der Ecke Zimmergasse Kreuzstrasse wurde eine Tankstelle gebaut, die von Fritz Stöckli bewirtschaftet wurde. Etwa 1980 wurde dieses Hotel umgebaut und in ein Appartementhaus umgewandelt.

 

Meine Grosseltern

Mein Grossvater väterlicherseits war Pferdehändler aus Stockach, von sehr grosser Statur. Die Grossmutter ist unbekannt. Meine Mutter geboren 1890 geborene Marianne Seematter von Saxeten-Niedermatten, gestorben ist sie 1954 in Zürich. Der Vater von meiner Mutter Hans Seematter geboren 1855 im Innerfeld in Saxeten, Sohn einer 7-köpfigen Familie. Mein Grossvater hatte das Haus in Niedermatten 1885 gekauft. Er starb an einem Herzschlag 1924 und sein ältester Sohn Hans erbte das Haus.

Foto: Meine Grossmutter und meine Mutter vor dem Elternhaus in Saxeten

Meine Grossmutter zog in die Hofstatt mit Ihrem Sohn Gottfried, welcher dort ein Haus gekauft hatte (ein Hunnen Haus). Meine Grossmuttter geboren 1858 geborene Margarete Aemmer aus Habkern. Das Geburtshaus steht genau unterhalb der Kirche von Habkern. Bei einem Besuch mit meiner Grossmutter als ich 6 Jahre alt war, zu Fuss von Saxeten nach Habkern lernte ich die Schwester meiner Grossmutter kennen die 1833 geboren war und noch sehr rüstig war mit 87 Jahren. Die Familie meiner Mutter in Saxeten bestand aus Grossvater Hans Seematter, Sohn Hans und Gottfried, Karl, meiner Mutter Marie, Tochter Marianne und noch kleine Kinder die früh gestorben sind. Mein Grossvater ein sehr gestrenger Mann, Bergbauer von ganz altem Format. Im Stall hatte er 5 Kühe, 3 Rinder, 2 Kälber, 4 Geissen, diese hatte man speziell im Sommer als Milchlieferanten, weil das andere Vieh auf der Alp war. Mein Grossvater war als ganz junger Mann mehrere Jahre als Alpknecht auf einer Alp oberhalb Haberkern gewesen. Er hat dann bei einer Alpchilbi in Haberkern seine Frau Margarete kennen gelernt und geheiratet, getraut wurden Sie in der Kirche von Gsteig Wilderswil.

 

Die Ehe meiner Eltern

Meine Mutter und mein Vater haben 1912 in Zürich geheiratet, ihre erste Wohnung war an der Dienerstrasse im Kreis 4. Im März1913 zogen Sie an die Zelgstrasse 6 im Kreis 3 Wiedikon, zuerst wohnten wir im Parterre und die Miete kostet Fr. 60.- pro Monat.

Am 7. Oktober 1914 bin ich auf die Welt gekommen, da mein Vater Deutscher war, waren somit meine Mutter, mein Bruder Julius und ich auch Deutsche. Mein Vater musste 1914 in den Krieg für Deutschland einrücken, als Soldat war er einem Konstanzer Regiment zugeteilt. Er wurde im Herbst, im Oktober 1918 entlassen und er kehrte nach Zürich zurück zu seiner Familie. Im Herbst 1918 brach eine grosse Grippe Epidemie aus. Mein Vater bekam sie auch und er starb daran. Meine Mutter erzählte mir dann später wie er gestorben war. Es habe bei den Füssen angefangen, zuerst seien diese schwarz geworden, es ging dann immer weiter aufwärts und alles bei vollem Bewusstein bis zum Herzstillstand. Beerdigt wurde er im Sihlfeld-Friedhof in Zürich im November 1918. Meine Mutter war jetzt Witwe, um vom Mietzins zu sparen, vermietete Sie die grosse Stube. 1923 heiratete meine Mutter Herr Fritz Tetzel, er war jetzt mein Stiefvater wir zogen nun im gleichen Haus in den 2. Stock. Die Miete betrug 80 Franken.

Foto: Ich und mein grosser Bruder Julius

1918 nahm meine Mutter eine Stelle bei der Firma Sommerau in Zürich an. Sie war Hilfsverkäuferin, Spettfrau, einfach Mädchen für alles. Dies war ihre einzige und letzte Stelle gewesen. 1952 nach 34 Arbeitsjahren gab Sie die Stelle auf, der Lohn war damals 350 Franken. 1954 starb Sie nach langer Krankheit, zuerst hatte sie einen Hirnschlag, darauf war sie einseitig gelähmt. Gestorben ist sie dann an Leukämie. Beerdigt wurde Sie auf dem Friedhof Enzenbühl in Zürich - Rehalp. 1918 nach dem Tode meines Vaters hat mich meine Mutter nach Saxeten zu meiner Grosseltern gebracht und das wurde dann meine zweite Heimat. 1919 wurden meine Mutter, mein Bruder Julius und ich Schweizerbürger von Saxeten, durch die Aufnahme ins Schweizerbürgerrechts wurde meine Mutter wieder Saxeterin. 1924 bekamen meine Mutter und wir beiden Jungen sogar noch das Zürcher-Bürgerrecht und erst noch gratis, somit waren wir jetzt Doppelbürger was auch meine Kinder wurden.

 

Jugendzeit im Saxeten

Der erste Winter in Saxeten hatte es bis zu 3 m Schnee und war immer sehr kalt. Ich konnte von der Laube aus direkt in den Schnee hinaus springen.

Foto: In diesem Haus in Saxeten verbrachte ich einen Teil meiner Jugend

Wir hatten einen kleinen Brunnen vor dem Hause und alles war zugedeckt. Das Wasser musste wir von der Strasse beim Dorfbrunnen mit Kesseln holen. In der Zeit von 4 bis 7 Jahre also nicht ganz 3 Jahre habe ich im Gaden im 1. Stock geschlafen. Man konnte von der Stube aus vom grossen Kachelofen aus durch ein Loch in der Stubendecke ca. 60-70 cm Durchmesser im Nachthemd direkt hinauf ins Bett. Im Winter war dort eine eiserne Kälte, die Fenster waren ziemlich kaputt. Die Grossmutter zog mir Socken und Unterhosen und eine gestrickte Kappe an und so wurde geschlafen. Bald hätte ich vergessen, einen Kriesisack der auf dem Kochherd aufgewärmt wurde nahm ich immer mit ins Bett. Eigentlich bis zum 5. Altersjahr kann ich mich an nichts erinnern.

Foto: Das Dorf Saxeten

Weihnachten in Saxeten

Im Laufe des Monats Dezember begann meine Grossmutter zu chuechelen, brezeln und machte Graswürm, das sind Schenkeli die gebacken wurden. Das alles wurde in 2-3 Wäschezeinen gelegt und in den Gaden gestellt, und während dieser Zeit wurden immer zwei Katzen im Gaden eingesperrt um die Mäuse zu vertreiben. Eine Katze musste immer im Keller sein wegen den Herdöpfeln und dem Ziegenkäse. Eines hätte ich fast vergessen, den in einem anderen Kellerabteil hatten wir Hühner gehabt. Nun das kuriose an der Geschichte war, alle Hühner ca. 6 Stück wurden im Winter in zwei Gattern in die Stube gestellt und zwar vorne beim Fenster und wurden zugedeckt. Die beiden Hühnergatter waren ca. ein Meter gross. Zur Erklärung was ein Schärm ist, das ist ein Teil vom Haus am Hinterteil des Hauses angebaut, darin befand sich die Toilette genannt "Hüsli” ein mit Holzbretter gemachtes kleines Haus. Neben dem Hüsli hat man das Holz zerkleinert auf dem Schittstock für zum Kochen und Heizen. Diese Holzhaufen nahmen fast die Hälfte des Schärmen ein, weil dieses Holz für den ganzen Winter reichen musste. Auch sämtliche Geräte wie Sense, Gabeln, Rächen zum Heuen und kleine und grosse Schlitten, Hornschlitten zum Holztransport im Winter. Auch ein Holztrog in dem das Säuli Futter gemacht wurde. Im Schärm hatte es auch zwei kleine Ställe, einer, für 2-3 Geissen und einer für ein Säuli.

 

Metzgeten in Saxeten

Im Dezember war auch Metzgetenzeit. Es wurden die alten Hühner geschlachtet und zwar wurde das Huhn auf den Schittstock gehalten und mit dem Beil den Kopf abgehauen. Wenn das Huhn nicht festgehalten wurde, so rannte es im ganzen Schärm herum. Auch ein kleines Gitzi wurde geschlachtet.

Foto: Meine Mutter und meine Grossmutter in Saxeten

Metzgete während meiner Kindheit 1918/1922 in Saxeten. Die Säulimetzgete dauerte einen ganzen Tag von morgens 8 Uhr kam der Hofmetzger er hiess Spitz Gottfried, seine Frau war Lehrgotte das ist Handarbeitslehrerin. Der Metzger brachte einen grosser Holztrog mit, wo das Säuli darin Platz hatte wenn es tot war. Der Metzger hatte ein kleines Röhrchen was mit Schiesspulver und einer kleiner Kugel gefüllt war. An einem Ende hatte es einen kleinen Bolzen. Das Röhrchen wurde auf die Stirn gehalten, mit dem Hammer gab man einen Schlag darauf und das Schwein fiel tot um. Unterdessen hatte die Hausmutter viel heisses Wasser gemacht und in den Trog geleert. Jetzt wurde die Sau hinein gelegt. Mit einem scharfen Messer wurden die Haare und sonst alles von der Haut abgekratzt. Nun wird Sie in Teile geschnitten und alles Fleisch in die Stube gebracht. Hier wurden Blut- und Leberwürste und auch feine Schweinswürste gemacht. 4 Schinken und die Speckschwarten wurden in den Rauchfang gehängt. Der Rauchfang befand sich im hinter Teil der Küche. Gekocht wurde an der offenen Feuerstelle mit Holz, welches immer viel Rauch gab. Die Fleischwaren hingen am Querbalken direkt unter dem Dach. Dieses Säulifleisch sollte fast für das ganze Jahr reichen. Anderes Fleisch gab es höchstens, wenn noch eine Kuh oder ein Rind notgeschlachtet wurde. Dieses Fleisch wurde dann von der ganzen Dorfgemeinschaft prozentual aufgeteilt und musste gekauft werden, da es zu meiner Kindheit noch keine Versicherung für das Vieh gab.

Foto: Meine Mutter, mein Bruder und ich links.

 Meine Schulzeit

1921 im Frühling war Schulbeginn der 1. Klasse im Aegeterschulhaus in Zürich Wiedikon. Fräulein Löffler, meine Lehrerin war sehr streng. Sie hatte 1918 die Pockenkrankheit und daher war das ganze Gesicht voll Narben. Ich war ein mittelmässiger Schüler, eher auf der schlechter Seite. In der gesamten Schulzeit hat mich nie jemand gefragt, musst du Aufgaben machen oder soll ich dir dabei helfen. Das war leider so gegeben, weil meine Mutter morgens um 6 Uhr zur Arbeit gehen musste. Wir, mein Bruder und ich mussten immer alleine aufstehen, Haferbrei kochen, und uns anziehen und zur Schule gehen.

 

Ich werde erwischt

Ein Ereignis vergesse ich nicht mehr, das war in der 2. Schulklasse im Sommer und in einer Schulpause auf dem Schulhofplatz, dort war ein kleiner Brunnen. Jeder Bub versuchte auf dem Rand zu stehen und in den Brunnen zu brünzlen, Ich natürlich auch, aber oh weh die meisten sprangen herunter vom Rand weil sie den Lehrer sahen der zum Brunnen kam. Ich stand noch alleine oben, das war Pech, die andern verschwanden unter den andern Schulkinder. Ich wurde vom Lehrer abgeführt wie ein Sträfling durch den ganzen Schulhausplatz und in das Schulzimmer gesperrt. Meine Strafe war, ich musste einen Monat lang eine Stunde alleine im Schulzimmer nachsitzen und Buchstaben schön schreiben. Ab dem 3. Schuljahr hatten sich meine Noten gebessert, zwischen 4-5. Nun kam ich in die 4. Klasse ins Bühlschulhaus in Wiedikon zum Lehrer Reithaar, ein sehr korpulenter Mann. Wir waren 16 Knaben und 14 Mädchen. Hier war ich ein durchschnittlicher Schüler. Was ich eine Woche lang nicht bemerkte, dass mein Bruder Julius, der mit mir aus dem Hause ging, aber einen anderen Weg ging, und dabei die Schule schwänzte.

 

Letztes Primarschuljahr

Mein Ziel in der letzten Primarschulklasse war in die Sekundarschule zu gehen, doch leider vernahm ich sehr spät, Dass die Durchschnittsnote massgebend war, ob man in die Sekundarschule gehen kann oder nicht. Da ich in Geschichte und Geographie gut war musste ich mich nun beim Rechnen und Aufsatz noch etwas anstrengen, im schön Schreiben war ich sowieso nicht gut.  Durch meine Bemühung erreichte ich dann die Durchschnittsnote -4, hätte ich die Note 3-4 erhalten, hätte ich es nicht geschafft in die Sekundarschule zu kommen, doch durch das -4 schaffte ich es und somit meldete ich mich an, in der Sekundarschule.

 

Sekundarschule

Im Frühjahr 1927 kam ich auch wieder in das Bühlschulhaus in Wiedikon, das unterteilt war in A B und C. Das C war das Sekundarschulhaus. Dort lernte ich einen wunderbaren Sekundar Schullehrer kennen, Herr Dr. Menzi er war ein liebenswerter verständnisvoller Lehrer. Er sagte nie ein böses Wort, meiner Ansicht nach gab er auch nie Strafaufgaben. Er unterrichtet uns allgemein, daneben hatten wir noch den Französisch-Lehrer, der zugleich auch Geographie gab, sein Name war Erb. Er war ein sehr, sehr strenger Mann, also einen SA-Mann (Schweiz. Alpenklub).  Geographie war ja einer meiner Stärken. Herr Erb liebte besonders die Berner-Alpen, was für mich einen Vorteil war, somit hatte ich immer die Note 5-6 in Geographie. Dafür war ich dann in Französisch sehr, sehr schwach, ich hatte immer so die Note 3, oder 3-4, es war eine eigenartige Schwäche, den schon wenn der Französisch Lehrer Herr Erb ins Schulzimmer kam und unter der Türe  rief Diktat, wurde ich bleich. Für mich war es einfach eine komischen unverständliche Schwäche. Doch jetzt, so im Nachhinein denke ich, auch an diese Zeit und musste feststellen, dass mir eigentlich nie, nie jemand bei den Hausaufgaben geholfen hat, was ich ja im allgemeinen auch nicht brauchte, doch im Französisch wäre ich wirklich dankbar und froh gewesen. Wenn mich nur jemand abgehört oder abgefragt hätte. Obschon ja meine Mutter ein Jahr lang im Welschland gewesen war, sie war in Rolle am Genfersee, da war auch noch eine Nachbarsfrau in unserem Hause, wo wir wohnten, das war eine Welsche gewesen. Meine Mutter und sie haben immer miteinander französisch gesprochen. Ich habe immer wieder versucht, ob Sie mir nicht bei den Aufgaben helfen könnten, aber Sie winkten ab und sagten, sie würden wohl verstehen, könnten aber weder lesen noch französisch Schreiben. Es sei ein eigenartiges Französisch das wir hier lernten, sie würden ein ganz anderes sprechen, also so wie ein Unterschied zwischen Hochdeutsch und Dialekt bestehe. Somit konnte mir also nie jemand helfen. Obschon ich mir jede undenkliche Mühe gegeben habe, das Französisch wollte einfach nicht in meinen Kopf. Das ist das was ich heute noch so weiss. Bis ich das auswendig gelernt hatte, so das Partizip Passe, die Zukunft oder die Vergangenheit. Ich glaube, ich bin in dieser Zeit bestimmt im Wachstum hinterher gekommen durch das französisch, das mir so viel Mühe machte. Ich habe es dann aber trotz alle dem zu einer Durchschnittsnote von 3-4 gebracht, herausgeholt habe ich es durch die Noten in Geschichte Geographie oder Rechnen. Im Singen hatte ich auch eine sehr schlechte Note, aber wusste eigentlich nicht wieso. Zum erstenmal bekam ich eine 3, später eine 3-4. Danach sagte ich einfach ich hätte den Stimmbruch und ging nicht mehr zum singen. Im Zeichnen habe ich eine 5-6 erhalten, ich zeichnete sehr gerne und es war meine Stärke, vor allem zeichnete ich gerne alte Riegelbauten und noch mehr Spass machte es mir, Autos zu zeichnen. Ich weiss jetzt noch, ich habe einmal einen grosses Mercedes Cabriolet gezeichnet, es war ein Wunderwerk, so schön habe ich das gemacht. Wo die Zeichnungen jetzt sind, weiss ich leider auch nicht mehr.

 

Knabenschiessen

Gerne erinnere ich mich auch noch an das Knabenschiessen, das war ja zu meiner Jugendzeit eines der grössten Erlebnisse bei uns in Zürich. Ich weiss auch, dass ich mich auf das Singen gefreut habe. Wir mussten in das Lindt-Escher-Schulhaus gehen und da hatte man einen Knabenschiessen Chor gegründet, wir wussten zweimal die Woche zur Probe gehen, auch das war für mich ein schönes grosses Erlebnis. Geschossen habe ich auch, wie alle andern und zwar 3 mal. So wie ich weiss, habe ich komischerweise nie gut geschossen, obschon  ich in den Schiessbuden immer sehr sehr gut geschossen habe, da war eventuell der Karabiner schuld, wegen dem Rückschlag oder dem Chlapf, den es gegeben hat. Auf alle Fälle hatte ich einmal Schiesspunktzahl 17, einmal 24 und das letztmals 19. Da kommt mir noch etwas in den Sinn, das eigentlich gerade hier dazu gehört, es betrifft das Albisguetli, die Chilbi, und zwar sind wir 1.Klässler 2. oder 3.Klässler in dieser Zeit, sind wir immer ins Albisguetli gelaufen, noch meistens Barfuss, die Mutter konnte uns kein Geld geben und so haben wir eben uns 5 Rappen, 10 Rappen manchmal auch 20 Rappen verdient und zwar auf eigenartige Weise, mit Rösslirittschule stossen, denn die Rösslirittschule hatte anno dazumal keinen elektrischen Motor, und da haben wir Buben die Rittschule angestossen bis sie sich richtig gedreht hatte und dann konnten wir aufspringen. Wenn wir das X mal gemacht hatten, haben wir 5 Rappen oder 20 Rappen bekommen und so haben wir uns 10-20-30 oder 40 Rappen verdient und zusammen gespart. Aber ich muss sagen, es war ein schönes Ereignis und darum kommt mir das jetzt nachträglich in den Sinn.

 

Schulreise

Jetzt noch etwas zur 2. Sekundarschule und zwar sind wir auch da auf eine Schulreise gegangen und zwar 2 Tage, mit einmal übernachten. Diese Schulreise war auf den Rigi gegangen, wir waren mit der Bahn bis nach Küssnacht am Rigi gefahren und von dort aus, sind wir zu Fuss auf die Rigi hinauf gelaufen bis zum Rigi - Staffel. In Staffel haben wir in einem kleinen Hotel übernachtet. Das war natürlich ein Riesenereignis, halbwüchsige Schuljungen mit Mädchen alle zusammen hier übernachten. Nun am anderen Morgen sind wir dann auf den Turm hinauf gegangen und wieder zurück gelaufen nach Viznau, alles zu Fuss. Da weiss ich jetzt noch, in Viznau mussten wir über eine Stunde oder noch länger warten und dann hat uns der Lehrer in einem Restaurant einen Zvieri bezahlt, Tee und weiss ich was. Dort hatte es eine Kegelbahn gehabt und das war natürlich das Ereignis für uns, obschon wir ja nicht richtig kegeln konnten. Aber da hat es einen gehabt, Bruno Braun hiess er, der hatte die Hand zwischen zwei Kugeln gelassen, was er studiert hatte weiss ich nicht, denn dann ist eine Kugel gekommen und er hatte die zwei Finger dazwischen, dadurch wurden im zwei Finger total zerquetscht. Das war natürlich eine Katastrophe, der hat sehr geweint und geschriehen und bis wir dann noch einen Doktor gefunden hatten, der Doktor konnte ihm auch nicht helfen, er hat im eine Pille gegeben und verbunden. Aber auch auf dem Schiff hatte er immer noch gejammert und geweint und gestöhnt, da ihm die zerquetschte Hand sehr weh tat. Wir fuhren mit dem  Schiff bis Luzern und von dort mit dem Zug nach Zürich. Das war ein Reiseerlebnis aus der 2. Sekundarschule auf den Rigi.

 

Lehranfang

Und nun musste ich mich ja auch langsam entschliessen, was ich lernen wollte. Komischerweise hatte ich immer etwas mit dem Auto zu tun und ich wollte irgend etwas mit dem Auto erlernen. Aber ich weiss heute nicht mehr, warum ich eigentlich auf den Beruf Auto-Sattler gekommen bin, ich hätte ja auch Automechaniker- oder Autoelektriker lernen können, aber nein, es war Auto - Sattler. Ich hatte einen Stiefvater der arbeitete bei der Firma Leissing. Das war eine Glasmanufaktur und mein Stiefvater musste die Tür- und Windschutzscheiben immer für diese Firma Pfeiffer und Wasser machen, die dann später meine Lehrmeister - Firma wurde. Später haben wir dann dort gefragt ob er nicht einen Lehrling haben möchte, er sagte dann komischerweise ja, aber er muss Sekundarschule haben. Ja nun, also ich hatte die Sekundarschule gehabt, bin mich dann mit meinem Stiefvater vorstellen gegangen. Es war eine eigenartige Begegnung, es waren, ja zwei Lehrmeister, Herr Pfeiffer war ein Süddeutscher aus Stuttgart und Herr Wasser so ein grosser stämmiger, wie ein Schwinger sah er aus. Nun wurde halt das Gespräch auf halb Hochdeutsch und halb Dialekt geführt, es war zwar mehr Nebensache, aber auf alle Fälle habe ich die Lehrstelle bekommen. Nun kam ich also 1929 in die Lehre als Autosattler bei der Firma Pfeiffer und Wasser.

 

Seegfrörni

Im Winter 1928 auf 1929 war eine Seegfrörni, der See war so stark zugefroren bis nach Rapperswil hinauf. Da ich eine grosse Kanone im Schlittschuhlaufen war, sind dann immer bis halb nach Küsnacht oder noch weiter gefahren. Das weiss ich noch wie heute, da bin doch fast in 2 Personen hinein gefahren, ich weiss nicht, habe ich nicht aufgepasst, auf alle Fälle, wer stand vor mir, das war mein neuer Lehrmeister. Herr Pfeiffer. Ich war so erschrocken und wusste nicht was sagen, aber auf alle Fälle erkannte mich Herr Pfeiffer Gott sei Dank nicht. Das war natürlich ein besonderes Erlebnis die Seegförni, nebst allem anderen, da fuhren sie ja mit Velo, Töff, Troschken und Autos über den See, das war wie eine Schaubuden Angelegenheit und es war sehr schön. Das Eigenartige war, es wurde heiss, wir alle dachten jetzt kann man dann nicht mehr fahren auf dem Eis. Dann haben sie Sirenen auf das Eis gebracht und es hiess, wenn die Sirenen ertönten, müsse man herunter vom Eis. Nun das Eis musste, ich weis nicht mehr wie dick, 10 oder 20 cm dick sein, ich weiss auf alle Fälle, war das Eis sehr dick, den es hat zeitweise schon Wasser gehabt über dem Eis, wenn man so über das Eis geschaut hat, war es schon so wellig, doch man konnte immer noch Eislaufen. Wir haben uns dann immer gefragt, wann wohl die Sirenen ertönen würden und an einem Ostersonntag war es dann soweit, Sirene ertönten und ich war also auch mitten auf dem Eis und wir sind dann langsam vom Eis herunter gegangen, doch es hatte noch viele, die trotzdem auf dem Eis blieben. Das eigenartige war, die Polizei war sehr streng und das Eis war praktisch geräumt worden, da sind die vom See oben von Küsnacht oder Thalwil von oben nach unten gefahren gekommen, zum Teil mit Velo und sind so halb ans Ufer gekommen und die Polizei hat gesagt, sie müssten herein kommen, dann haben die, die Polizei gefuxt und gerufen, kommt holt uns, und die hatten sich doch nicht hinaus getraut. Bis dann das Wasser total über das Eis kam und dann hörten sie damit auf. Das war auch ein schönes Erlebnis vom Jahr 1929, soviel ich weiss war die Gfrörni Februar und März.

 

Ferien

Nach Schulschluss ging ich dann noch 2 oder 3 Wochen nach Saxeten in die Ferien und habe dort wieder geholfen beim Onkel Gottfried, was man so alles machen musste, speziell Kühe hüten. Im Frühjahr sind wir wieder nach Ramsermatten gegangen und haben die Kühe gehütet.

Foto: ca. 17 Jahre alt mit Freunden

Lehre 1929

Anfangs April bin ich dann als frisch gebackenen Lehrling in die Lehre eingetreten, das war also im April 1929 bei der Firma Pfeiffer und Wasser an der Dufourstrasse in Zürich Seefeld. Also nun hatte meine Lehre begonnen und man ist mit dem Velo hin und her gefahren ob es regnete oder schneite. Wenn es zuviel Schnee hatte, habe ich eine rote Karte bekommen, das weiss ich jetzt noch, die rote Karte hatte 3 Franken gekostet. Für eine Woche lang konnte man 4 mal täglich Tram fahren. Die grüne Karte kostete 2 Franken und man konnte 1 Woche lang 2 mal täglich fahren. Das war die Tram Angelegenheit, denn man fuhr normal immer mit dem Velo, ob es kalt war oder regnete, man kannte gar nichts Anderes. Nun in dieser Autowerkstatt hatte es fünf Arbeiter gehabt und mit mir zusammen waren es 3 Lehrlinge. Ich war der jüngste, dann ist noch einer gekommen, der war im 2. Lehrjahr und einer war, der war im 3. Lehrjahr. Die Gesamtlehrzeit war 4 Jahre. So wie es in jeder Werkstatt Probleme gibt, habe ich aufgepasst, dass ich mit den Arbeiter sehr gut auskomme. Ich habe ihnen Znüni geholt und alles gemacht für sie. Da war der älteste Lehrbub, Ewald hat er geheissen. Er war vom 3. ins 4. Lehrjahr gekommen und hatte den Grössenwahn, er hatte den Baron gespielt, er hat uns den Hammer nachgeworfen, der ginggte uns, der hat uns Wasserkübel angeworfen oder sonst an die Beine geleert oder fettige Schraubenzieher nachgeworfen. Der plagte uns immer, auch den Lehrling im 2. Lehrjahr, ja aber das war ja auch nicht der Schlauste, er war ziemlich dumm, der ist irgendwie durch Beziehungen zum Herr Wasser in diese Lehre gekommen er hatte ja auch keine Sekundarschule.

Foto: Lehrbub Hans in der Mitte

Es war ein armer Kerl und er hatte ihn oft fast zu Tode geprügelt. Als ich dann ins 2. Lehrjahr kam, war dann Ewald mit dem vierten Lehrjahr fertig und ging bei der Autosattlerei Pfeiffer und Wasser weg. Von nun an hatten wir eine schönere Lehrzeit. Das Eigenartige während der Lehrzeit war, wenn ein Kunde kam mit einer kaputten Windschutzscheibe, musste ich mit dem Velo mit der Windschutzscheibe hinauf in die Burgwies fahren, den dort oben war die Manufaktur, wo mein Stiefvater gearbeitet hatte. Oft waren es auch Türenscheiben. Mit der Zeit hatte ich aber grosse Übung, dass ich mit den grössten Windschutzscheiben dort hinauf fuhr und wieder ins Geschäft zurück. Verkehr war natürlich praktisch keiner.

 

Ich verletze mich

Da habe ich auch noch ein kleines Ereignis, ich bin einmal von einem Stuhl herunter gehopst und hab mich dabei mit einem Schraubenzieher in die Hand gestochen, so dass praktisch der Schraubenzieher auf der anderen Seite heraus gekommen ist. Das Resultat, mein Lehrmeister Herr Pfeiffer, der Deutsche hat mit mir geschumpfen und gewettert und ich habe mich dabei gewunden vor Schmerzen, dass er mir nicht noch Eine runter gehauen hat, war direkt ein Wunder. Nun ich bin dann nach Hause gegangen, ohne grosses Verbinden, ich habe selber etwas darum gewickelt. Zu Hause bin ich dann zum Arzt gegangen, als ich dann zurück kam, schimpfte dann mein Stiefvater auch noch mit mir und machte mir Vorwürfe, ich hätte geschlafen, nun das ging auch vorbei.

Foto: Man sieht mir die Freunde am Auto an (rechts)

Ich soll ein Dieb sein

Da war auch noch eine Erinnerung, wir hatten da so einen Arbeiter in der Werkstatt, das war so ein richtiger Chnuschti, der nichts konnte, aber immer meckerte. Da bemerkte er einmal in meiner Werkzeugkiste einen Schraubenzieher, der nicht mir, sondern ihm gehörte. Ich wusste aber nicht wie der in meine Werkzeugkiste kam, oder ob sogar er mir den da reingelegt hatte oder ob ich den aus versehen mit anderem Werkzeug da reingelegt hatte. Auf alle Fälle kam dann mein Lehrmeister zu mir und nahm mich an den Ohren und sagte ich hätte diesen Schraubenzieher dem Arbeiter gestohlen und ich sei ein Dieb. Ich war so erschrocken, dass man mir so etwas zutraut und sagt. Auf alle Fälle wisse er noch nicht, was er mache, aber eines sei ganz sicher, er werde es meinem Stiefvater sagen und ich werde dann sehen, was dabei heraus komme. Nun ich ging dann am Abend nach Hause und hatte eigentlich ein gutes ruhiges Gefühl. Nun kam aber mein Herr Stiefvater und machte mir eine Szene, gab mir links und rechts ein paar hinter die Ohren und hat geschumpfen und gewettert. Aber meine liebe Mutter hat geweint und mich getröstet und gesagt, dass sei ja nicht so schlimm, zumal ich selbst gesagt hätte, ich wisse nicht wie der Schraubenzieher in den Werkzeugkasten gekommen sei, und das werde wieder vorbei gehen, sie wisse auch nicht warum die so seien.

 

Ich darf wählen

Dann kam das 3. Lehrjahr und die beiden Herren Pfeiffer und Wasser trennten sich geschäftlich. Es gab dann eine Firma Pfeiffer und eine Firma Wasser. Die Firma Pfeiffer ging dann an die Mühlebachstrasse, wo sie eigentlich heute noch ist. Und die Firma Wasser blieb an der Dufourstrasse. Da sagte dann Herr Pfeiffer zu mir, na, du wirst wohl wissen so du hingehörst, du kommst mit mir, du bleibst nicht beim Wasser und er hat wieder auf mich losgehauen. Da ging ich dann zu meinem Lehrmeister Herr Wasser und fragte ihn wie das nun sei, was ich machen müsse, er sagte dann, ich könne dort die Lehre weitermachen, wo ich wolle. Wenn ich bei ihm bliebe sei das gut und recht, oder wenn ich zu Herr Pfeifer gehen wolle, soll ich dorthin gehen. Ich entschloss mich dann bei Herr Wasser zu bleiben, nicht bei Herr Pfeiffer diesem Trotzkopf, ich hatte eine Wut auf den, der hatte sowieso den Grössenwahn gehabt. Als er dann Herr Pfeiffer meldete, dass ich bei Herr Wasser bliebe, hat der gleich wieder zu toben angefangen und hat gesagt, was ich denn bei Herr Wasser wolle, der sei sowieso kein rechter Lehrmeister und sagte er wolle mich schon noch lehren, was ich zu tun hätte. Ich aber blieb nicht bei ihm und dachte so jetzt ist endlich Eins zu Null für mich.

  Foto: von links: Mutter, Stiefvater, ich und ein Freund, auf einem Ausflug mit meinem ersten Auto.

Der Hauptgrund warum Pfeiffer so tobte war, denn nach dem 2. Lehrjahr war ich quasi wie ein Arbeiter, ich musste immer in der Amag, die 2 Häuser weiter war, alle Türen und Türschlösser machen, abdichten etc. oder neue Dächer überziehen und neue Verdecke machen, einfach alles, ich war praktisch der Hofsattler bei der Amag. Er hatte mich nicht als Lehrling verrechnet sondern als Arbeiter, das war natürlich ein sehr gutes Geschäft und das wollte er nicht verlieren, das war der Hauptgrund, das er so wütend war. Dann kam dann die Lehrabschlussprüfung, dies war eigentlich eine komische Sache, wir mussten eine Autotasche machen, eine Türverkleidung etc. aber etwas, das direkt mit dem Auto zusammenhing konnten wir nicht machen, wir konnte ja nicht ein Auto ins Schulzimmer nehmen oder in die sogenannte Werkstatt. Ich hatte die Prüfung mit sehr gut bestanden und eben jetzt war ich Arbeiter geworden.

Foto: Mein Bruder Julius spielte gut Handorgel

Als Arbeiter 1931

Nun der erste Lohn war 80 Rappen in der Stunde was mich eigentlich nicht störte, den ich kümmerte mich nicht gross um den Lohn. Nach etwa einem Jahr fragte mich die Amag, ob ich für sie die Carrosserie übernehmen würde, die sie eröffnen wollten. Ich sagte dies dann Herr Wasser und dieser wollte mich natürlich nicht gehen lassen und bot mir jetzt einen Franken Zehn Stundenlohn an, es war ja nicht die Frage des Lohnes, ich sagte ihm gar nicht das mir die Amag  Fr. 1.70 offerierte. Also ich entschloss mich zur Amag zu gehen und war 4 Jahre dort, also von 1934 bis 1938, dann muss ich noch erwähnen dass wir die höchste Elite von Kundschaft dort gehabt haben während dieser Zeit. Wir hatten ja die Chrysler Vertretung mit dem Senior Chrysler, Chrysler Imperial mit dem Chrysler Chrown, Chrysler Imperial Baron.

Foto: Ein Bild aus der Rekrutenschule 1934, man sass als Fahrer damals noch ganz an der frischen Luft und die Lastwagen hatten vollgummi Reifen

 

Foto: Ein Ausflug mit meiner Vorlobten Katharina Huwyler nach Morcote, wir heirateten 1941

Eigentlich hatte die Elite von der Stadt diese Wagen gekauft und ich konnte in dieser Zeit viel dazulernen. Ich war bald ausgebildet um an diesen Fahrzeug selbständig zu arbeiten, das war natürlich das Maximum. Am Anfang von dieser Zeit war der Besitzer der Amag Herr Masser, er hatte die Amag von Herr Tschudy abgekauft. Dieser Masser war ein emigrierter Jude aus Berlin, ein multi multi Millionär, Er hatte auch ein eigenes Schloss in Meran, er hatte dann seine Direktoren eingesetzt, denn er hatte Landesverweisung gehabt, warum weis ich nicht. Da sind verschiedene Direktoren dagewesen, der letzte Direktor 1938 war der Direktor Bräm. Der sagte mir, dass die ganze Carrosserie aufgelöst würde, ob ich bereit wäre die ganzen Sache zu übernehmen.

Foto: An Pfingsten 1938 nach Venedig über den Gotthardpass

 Meine eigene Firma 1938

Meine Antwort war, ich übernehme das Inventar schon, nur müssten wir einen Finanzmodus finden und den haben wir auch gefunden. Das Inventar habe ich übernommen und es wurden mir jeweils 10 % an den Rechnungen abgezogen und so musste ich kein Geld in die Hand nehmen und hatte dadurch die Amag als Kunde gesichert gehabt. Da sie ja Interesse hatte, dass das Inventar so rasch als möglich abbezahlt wurde. Die Eröffnung war 1.Oktober 1938.

Ich war also mit 6 Arbeiter, die ich auch von der Amag übernommen hatte in die Kreuzstrasse 36 A gezogen in das Gebäude, das stand damals wo jetzt der Pick Pay steht, und früher das Hotel Butterfly war. Später nach dem Krieg als dieses abgerissen wurde, zog ich in die Zimmergasse 8.

Foto: 1939 meine Firma an der Kreuzstraase 36 A

Kriegsausbruch 1939

Wie wir ja alle noch wissen ist ende August anfangs September 1939 der Weltkrieg ausgebrochen. Am ersten Mobilmachungstag musste ich einrücken und das Geschäft schliessen. Alle meiner Arbeiter waren nicht Militärpflichtig, ich glaube Zwei ja und Zwei nicht und somit bin ich dann in den Aktivdienst eingerückt, Mit einer sauren Mine. Wie geht es jetzt weiter? Ein Jahr geschuftet und jetzt diese Katastrophe. Nun was zu dieser Zeit schlimm, was die Entschädigung anbetrifft war natürlich wirklich nichts, auch als Selbständiger hatte man da auch nur die 2 Franken Sold und bekam keine Unterstützung, nichts. Auch zu Hause nichts. Man hatte also gar nichts, nur den Sold. Klar den Hauszins im Geschäft musste ich auch weiter zahlen. Der einzige Vorteil den ich hatte war, dass ich noch ledig war und bei Vater und Mutter zu Hause wohnen konnte. Eingerückt war ich damals nach Mellingen zu den Pontonier-Lastwagen Kolonne 3, das vergesse ich nie, wir hatten ca. 130 Motorfahrer, das komische war dass von diesen 130 Motorfahrer nur immer ca. 90 eingerückt waren, 40 waren dauernd Kriegssusbensiert, das heisst die haben bei Sulzer oder Saurer oder so gearbeitet. Die mussten überhaupt nie einrücken, die mussten nicht mal bei einer Mobilmachung einrücken.

Foto: Im Aktiv-Dienst 1940

 

Wir hatten etwas 70 Lastwagen mit Anhänger, meistens waren es Militär- Lastwagen, alles andere waren rekurrierte Lastwagen, auch von Privat, auch die Luxuswagen waren rekurriert. Diese Einheit hatte für mich den grossen Vorteil, das diese rekurrierten Fahrzeuge bezahlt werden mussten. Somit hatte ich das Glück, dass ich nach 6 Wochen von dieser Einheit wieder entlassen wurde, eben weil sie zu teuer war, sich im Aktivdienst sich zu behaupten und so konnte ich also wieder nach Hause. Nur zu Hause was machen? Das Benzin wurde rationiert, Auto gefahren wurde praktisch nicht mehr. Die normale Zuteilung für Privatpersonen war 10 lt pro Monat und wir auf dem Autogewerbe haben ca. 30-40 lt Benzinmarken bekommen. Das Autogewerbe ohne Autofahren. Wie kann meine neue Firma überleben?

 

Meine Firma in der Kriegszeit 1939 - 1945

Das erste was ich jetzt machen konnte waren verdunklungs Einrichtungen für die Scheinwerfer, davon machte ich ca. 1'000 - 2'000 Stück, den die Scheinwerfer mussten verdunkelt werden, es war vorgeschrieben mit einem violetten Zeloid. Zuerst haben wir sie aus Kunstleder oder Plastik gemacht und dann hat man sie darüber gezogen. Später haben wir sie dann aus Blech gemacht, mit einem Schirm, so wie sie eigentliche heute noch von der Bosch gemacht werden. Die haben wir dann zu Hunderten angefertigt und dies war eigentlich mein erstes grosses Geschäft.  Auch Militär - Plachen haben wir gemacht, in kleineren Serien, auch Postsäcke haben wir gemacht. Auch für die Velos einen Tuchschutz dass bei Regen die Hosen nicht nass werden. Also mit allerlei Kleinigkeiten haben wir versucht, uns über Wasser zu halten.

Foto: Hosen Regen Schutz

Auto fahren auch ohne Benzin

Dann ist dann die Idee von Ersatztreibstoffen gekommen, den irgendwie musste man doch fahren, ganz still konnten die Fahrzeuge nicht stehen. Ich weiss noch heute, zuerst habe ich einen Skoda gehabt und ich habe mir dann hinten auf den Skoda einen Niederdruckkarbit Generator montiert. Diesen Generator habe ich irgendwo aufgetrieben, dann abgeändert, die Schwierigkeit war immer mit dem Gemisch, vorn mit dem Ventilgemisch und das der Druck von hinten nach vorn kam. Man hatte man immer Schwierigkeiten, weil es ein Niederdruck gewesen war. Teilweise haben Sie dann vorn die Generatoren montiert, damit sie näher beim Motor waren. Ich habe das dann aufgegeben und auch keine mehr konstruiert. Es hatte dann Hochdruck gegeben für die Taxi, aber fast jeder zweite ist explodiert, oder hatte gebrannt oder sonst Schwierigkeiten gemacht.

 

Holzvergasung

Dann ist dann die Idee mit Holzgas gekommen, denn Holzgas war billiger. Der Generator war an und für sich kein Problem, der war schon von Schweden bekannt und Frankreich. Aber die Reinigung war das grosse Problem, da hatten wir natürlich sehr viel Kondenswasser und das grösste Übel war der Teer. Ich weiss noch die Konkurrenz, der Iten Zug haben nur Holzwolle in die Filter - Aggregate gestopft. Das war natürlich eine Katastrophe, die Mischdüse vorne war natürlich immer verstopft von Russ, das war denen egal, sie haben dann immer gesagt, das ist gut, dann gehen die Motoren kaputt, die sind dann auch wirklich nach 4-5000 km kaputt gegangen. Dann hat die Impert und verschiedene andere versucht das Problem mit Aschigringe, das waren so Tonringe, zu lösen. Die haben dann viele Versuche mit denen gemacht und hatten natürlich keine Schwierigkeiten mit dem Teer und dem Kondenswasser, denn die Tonringe haben das aufgezogen, aber von einer Reinigung war auch keine Rede, das Gas hat immer den geringsten Widerstand zum Motor genommen, und somit waren die Mischdüsen auch wieder verstopft.

Foto: Ganz im Look der damaligen Zeit

Versuche

Da habe ich angefangen, ich glaube mit der EMPA zusammen Versuche zu machen, unheimlich viele Tage und Stunden.

 

Mein erstes Holzvergasungsauto

Ich weiss noch der erste Wagen war ein Plymouth, ein vier Zylinder. Dann habe ich dann einen Generator darauf gestellt und 2 Zylinderkübel hinten drauf, manchmal auch nur mit einem. Wir haben dann angefangen das Holzgas zu filtrieren. Dann hat die Amag einen Ingenieur eingestellt, der hiess Zäch, der hatte dann angefangen einen Holzkohlen - Generator zu machen, eine grosse riesige rechteckige Büchse, aber dazu mussten natürlich Filter gemacht werden. Der Zäch ist dann zu mir gekommen und wir haben zusammen Versuche gemacht mit meinem Filter. Wir haben dann bei unserem Stoff-Filter immer wieder Schwierigkeiten gehabt, weil der Stoff verbrannte, da die Kühlaggregate zu kurz waren. Haben wir sie länger gemacht, ist der Stoff nass geworden. Dann habe ich angefangen einen Thermostat in die Leitung einzubauen und haben eine kurze Leitung gemacht, sobald die Temperatur auf 80 Grad war, hat der Thermostat auf die lange Leitung umgeschaltet und dann war die Temperatur wieder auf 30 Grad.  Aber auch da hatten wir wieder neue Schwierigkeiten.

Foto: Die Holzgasautos bei einen Bergprüfung

Einen neuen Filterstoff entwickelt

Dann habe ich angefangen mit einer Weberei in Wila eine neue Stoffkonstruktion zu machen. Ich kam auf die Idee, als ich ein Frottiertuch näher betrachtet, sah ich das es verschiedene Webkonstruktionen hatte, also verschiedene Webschichten hintereinander.  Wir haben dann in der Weberei verschiedene Webarten konstruiert also eine Spezielle. Die Weberei hat dann später auch das Patent auf diese Webart genommen, also Deutsches, Schwedisches und Schweizerisches Patent.

Die Webart war so, dass wir in die Tiefe filtriert haben, also verschiedene Fäden hintereinander und so eine Maluka-Webart, man hat dann einen geringen Unterdruck im Filter durch diese Webart bekommen.  Die Fäden waren aus Viskose-Nylon, teilweise auch Glasfasern-Fäden dazu gemischt, um auch die Feuchtigkeit wegzuhalten. Wir haben auch Versuche gemacht mit reinem Glasfaserstoff was sich aber gar nicht bewährt hat, da diese Webart sofort zugemauert hat.

 

Prüfungen

Im Sommer sind wir etliche Male auf den Albis hinauf gefahren, wenn es so heiss war, man hat versucht die Filterstoffe nicht zu verbrennen.

Foto: Holzgasauto im tiefen Winter

Was ich auch nicht vergesse, wie wir die Versuche auf die Lenzerheide im Winter machten. Es war Februar- März, 16 Grad unter null, da haben wir einen Kurzbetrieb gemacht, wir sagten Güllen - Pennenbetrieb, das will eben heissen, wenn ein Landwirt mit dem Güllenwagen auf die Wiese geht, fährt er 5-10 Minuten, muss wieder zurück, auffüllen, wieder warten und wieder fahren, das haben wir dem auch so gemacht, deshalb hat die EMPA es so genannt.

Das gemeine war nun: Erstens musste man jeden morgen, es waren 12-14 Fahrzeuge, jeder musste die Zeit stoppen bis der  Wagen in Bewegung gebracht wurde. Ich weiss heute noch, ich habe 1 Minute und 30 Sekunden gebraucht, ich war der Schnellste, das kam daher, dass ich in meiner Filteranlage keinen Unterdruck gehabt habe oder sehr wenig, dadurch kam das Gas sehr schnell nach vorne durch den Ventilator. Man hatte ja mit dem Ventilator angezündet  und hat dann umgeschaltet und dann hat der Ventilator das Gas nach vorne gedrückt und das gelang mir immer sehr schnell.

Foto: Die Geprüften im kalten Winter

Dann musste man 10 Minuten fahren, man durfte aber nur eine  gewissen Geschwindigkeit fahren und die Experten sassen immer dabei, und man hatte dann die Temperaturen im Filter gemessen sowie den Unterdruck. Es waren immer zwei Messstellen da, das gemeine war, man hatte höchstens 30-35 Grad in der Filteranlage und der Unterdruck war noch in Ordnung. Das hatte man den ganzen Tage gemacht, diese Eigenart von dieser Fahrerei.

 

Mit der Zeit ist dann eben durch das kalt und warm die Temperatur höher geworden und der Unterdruck ist gestiegen, und dann bin ich auf die Idee gekommen, dass ich nun ein Thermostat einbauen muss, mit einer Klappe, damit, wenn es zu heiss geworden ist das Kühlaggregat eingeschaltet worden. Dann ist eben die Schwierigkeit gekommen mit dem Kondenswasser, wenn es zu kalt war, hat es wieder umgeschaltet auf wieder warm. Da habe ich heraus gefunden das die minimale Feuchtigkeit der Filteranlage wenig tun kann, wenn 2,5 mm Russ auf dem Filterstoff war, dann war das sehr gut. Nun hatte ich also die praktische Prüfung bei der EMPA bestanden mit der kompletten Filteranlage. Eine Filteranlage für die Luxusauto hatte etwa eine 2-3 m2 Filterfläche.

Foto: Der Waibel Holzgas Tuch Filter

 Die Produktion konnte starten

Ich habe dann zu hunderten diese Filter- Aggregate gemacht. Das waren Metallrahmen mit Gitter und über dieses Gitter sind dann die Stoffe so wie Säcke darüber gezogen worden. Jeder hatte dann so 4 Filteraggregate gehabt und das war dann wieder ein neues Geschäft, somit hatte ich mich wieder über Wasser halten können.

 

Lokomotivfabrik Winterthur

Dann ist die Lokomotivfabrik Winterthur an mich gelangt auch durch die EMPA. Die haben sehr sehr schöne Traktoren gebaut 3 Rad und 4 Radtraktoren mit sehr schöne Gaserzeuger Generatoren, aber sie hatten eben keine richtigen Filteranlagen und sind somit an mich gelangt. Es war eine sehr schöne Zeit den die Lokomotivfabrik, sie hatten ungefähr 3 Ingenieure die nur Traktoren gebaut hatten. Ein Ingenieur befasste sich nur mit Ersatztreibstoff und mit diesem Ingenieur habe ich wieder zusammen gelernt, den die ganze Gas und Ersatztreibstoff war ja für uns ein Novum. Ich habe dann also dort sehr schöne Filteranlagen konstruiert. Die Filteranlagen haben wir dann soweit fertig gemacht, dass  die Kessel und Innenausstattung mit Flansch, jeweils nur noch an die Generatoren angebaut wurden. Das waren dann die Lokomotive Winterthur Anlagen. Dann ist das Staatliche Landwirtschaft Amt vom Bund gekommen und wir haben  zusammen diese Holzgastraktoren geprüft. Ich weiss noch, dass ich auch wieder zum Acker gefahren bin mit Ersatztreibstoffagregatoren mit unserer Filteranlage die sich auch da bewährt hat und somit hatte ich auch diese Prüfung bestanden. Wir haben dann auch Bührer Traktoren umgebaut, Hürlimann Traktoren ebenfalls mit diesen Lokomotiv - Generatoren.

 

Saurer kam zu mir

Was ich fast nicht glauben konnte, aber auch die Saurer Arbon kamen zu mir, damit ich auch mit Ihnen Versuche mache mit den Saurer-Lastwagen. Sie hatten einen grossen Generator, er sei in Ordnung und auch EMPA geprüft, aber eben sie hätten keine Filteranlage. Ja ich sehe heute noch, wie ich da zu den Saurer kam und die riesigen Lastwagen sah mit den grossen Dieselmotoren, sagte ich zu mir, du meine Güte da muss ich ja bestimmt 10 - 12 m2 Filterflächen haben damit ich mit diesem Gasvolumen durch den Filter komme. Ich habe dann dies konstruiert, wir haben dann zwei so grosse  Gaskessel gemacht, es waren Ovale Gaskessel. Man staunte, die Carrosserie Tüscher hat dann mit mir zusammen auch diese Versuche gemacht. Wir haben dann sehr schöne und stabile und grosse Filteranlagen gemacht und zwar fix und fertig. Ich weiss jetzt noch, die ersten für zwei Lastwagen habe ich bei der Saurer draussen, mit zwei Ingenieuren zusammen, diese Anlage eingebaut. Es hat natürlich verschiedene Ingenieure gehabt, die einen waren sehr skeptisch und haben gesagt, was da der Waibel bringt mit Stoff, das geht doch nicht und haben sehr geringschätzig darüber gesprochen. Nun ich wusste, dass ich nur eine Schwierigkeit hatte und das war die Hitze. Man muss sich also vorstellen, wenn man über den Klausen fährt und hat keine Geschwindigkeit und hat also sehr sehr wenig Kühlung in den Kühlschlangen und das war für mich das grösste Problem. Ich versuchte dann, mit diesen Leuten zusammen, die sich übrigens sehr angestrengt hatten, ein Kühlschlangen Aggregat zu machen. Wir machten das so, eine Kühlschlange war vorne vor dem Kühler vorne und die andere war zwischen der Brücke und der Kabine und noch unten im Chassis ging sie auch noch durch. Die Ingenieure hatten das für mich berechnet. Wir hatten dann die Anlage eingebaut. Die Thermostate, die Prüfstellen und alles voller Kabel, war in der Kabine.  Also nun ging es los, zuerst sind wir einmal Richtung St.Gallen gefahren, alles nur der Ebene entlang, dabei hatten wir eine sehr schöne Temperatur von 30-40 Grad, also es ging soweit wunderbar. Zuerst fuhren wir ohne Anhänger und Gewicht. Dann luden sie riesige Container auf die Brücke die wogen ca. 10 Tonnen. Dann fuhren wir also mit diesen Riesendinger los und es ging auch gut, dann versuchten wir es noch mit  einem zusätzlichen Anhänger, natürlich auch mit Gewicht und nun fuhren wir die Strecke Reineck Walzenhausen die es heute noch gibt, hinauf bis zu oberst nach Lachen. Die Temperatur betrug aber höchstens 60, 70, 75 Grad, also hat sich die Mühe gelohnt und bewährt. Nun diese Saurer Ingenieure und der oberste vom Verwaltungsrat ist alle Tage vorbei gekommen und hat mir zugesprochen und gesagt, es wird schon gut gehen, er sei auch bereit die Oberaufsicht zu übernehmen, dass es keine Sabotage gebe. Denn ich hatte immer Angst, das irgendwie noch eine kleine Sabotage passieren würde, aber es geschah nichts. Nun wie es so ist, jetzt kommt die Dauerprüfung, die ging ungefähr ein halbes Jahr. Die beiden Lastwagen sind überall in der Schweiz herum gefahren. Nach zwei Monaten bin ich dann zu den Saurer gegangenen die wollten wissen, wie es so in den Filteranlagen aussehe, was natürlich auch mich sehr interessierte. Die Filteranlagen waren aber total verstopft, dass also innerhalb ein paar Tagen kein Gas mehr nach vorne gekommen wäre, vor lauter Russ. Der Russ war aber trocken und es war alles in Ordnung, dann haben die alle nochmals gestaunt und natürlich das wichtigste die Mischdüse vorne am Motor, also der Ersatzvergaser war absolut in Ordnung, Die Saurer Lastwagen waren ja so gebaut, dass sie auf Diesel, Benzin oder Gas umstellen konnten. Die waren alle erstaunt und schüttelten nur die Köpfe, das alles so gut ging. Nun die Lastwagen fuhren weiter. Ich habe dann leider nichts mehr gehört von der Saurer Firma.

 

Ende Krieg - Ende Holzvergasung

Ich baute dann verschiedene andere Fahrzeuge um.

Foto: Diese runden Behälter links und rechts sind meine Filter

Einen Chevrolet und verschiedene andere Lastwagen, 3,5 Tönner 6 und 10 Tönner so insgesamt 120-30 Stück. Auch ein Album darüber haben wir angelegt, doch wo es ist, weiss ich leider nicht mehr. Inzwischen habe ich natürlich auch die Luxus Autos weiter verfolgt. ich kaufte einen Plymouth 6 Zylinder und hab dann den umgebaut und der fuhr mit Holzgas glatte 110 km, er war also ein Wunderding, dank den 6 Zylinder. Ich habe dann für verschiedene Holzgaskonstrukteure die Filteranlagen geliefert und ausgerüstet. Das war für Metallbau Zug, Kaiser Zug, Rotag, Impert und wie sie alle hiessen. Auch die hatten natürlich alle auch Ihre Versuche gemacht und dies hat natürlich auch wieder Jahre gedauert. Nun kommt eigentlich der Schluss. Im Frühling 1945 habe ich an die Mustermesse Basel mit meiner Filteranlage die Ausstellung mitgemacht. Wir haben verschiedene Typen ausgestellt. Aber das vergesse ich nie, am ersten Tag nach der Eröffnung der Mustermesse, bin ich nach Basel gefahren und kurz vor Basel sind auf der anderen Seite des Rheines, also auf der deutscher Seite die Amis mit Ihren Panzer dort gerastet. Man sah sie sehr gut und die hatten richtig geschossen. Ich dachte für mich wenn die ja schon da sind kann der Krieg nicht mehr lange gehen. Jetzt wo ich fertig bin mit meinen Aggregaten und in die Gross-Serie gehen könnte wird der Krieg fertig sein. Nach der Mustermesse bekam ich noch vorsichtig ein paar Bestellungen so ca. 10-30 Stück, denn alle waren sehr unsicher. Im Mai war ja auch dann der Krieg zu Ende, somit war auch meine ganze Holzgas Geschichte im Eimer.

 

Nach dem Krieg

Nun ja mein Losungswort war ja immer, sich umstellen und wieder neu einstellen und somit stellte ich mich wieder auf die Carrosserie um. Wir hatten 1945 4 Autosattler, 2 Spengler und ein Allround Mechaniker. Nun das grosse Geschäft, das heisst die enorme Nachfrage war, die Instandstellung der Carrosserien, den das Interieur vieler Autos war von Motten zerfressen oder von der Feuchtigkeit schimmlig so das also das Instandstellen der Interieur eine grosse Nachfrage war. Das war das eine Geschäft, das andere war die umgebauten Fahrzeuge wieder auf Benzin zurück zu stellen. Dass heisst die Aggregate abzubauen, die Reserveräder wieder an Ort und Stelle zu montieren, die Leitungen und vorne die Vergaser und Röhren und all das Zeug wieder weg zu nehmen um dann das Auto wieder in den Originalzustand zu versetzen.

 

Geschäftsreisen nach Italien

Ich brauchte nun auch  Arbeiter, aber das war im Moment eine sehr grosse Mangelware, ich wusste eigentlich gar nicht, wo die vielen Leute verschwunden sind während dem Krieg. Nun wir haben uns zusammen getan, die Firma Tüscher und ich sind dann übereingekommen dass wir zusammen nach Italien gehen und dort Autosattler und Autospengler suchen.

Foto: Der Brüngpass, die Bahn noch mit Dampfbetrieb

Wir haben dann Inserate von der Schweiz aus gemacht. In Mailand und in Turin. Ich hatte einen Autosattler-Arbeiter, der gebürtiger Italiener war, der perfekt Italienisch in Wort und Schrift konnte, den hatte ich dann mitgenommen als Dolmetscher. Der half mir dann die Leute auszusuchen. Ich weiss heute noch, ich war am 1. August 1945 in Italien ganz alleine in einem Park. Ein Problem war auch das Benzin, man bekam in Italien kein Benzin, man bekam alles, Seide, Pelze und Zigaretten, aber mit dem Benzin war es ganz schitter. Man warnte mich vorher, ich hatte da einen Chrysler Senior 1934 gehabt, einen sehr guten 6 Zylinder-Wagen, 2 türig und sehr schön und gut im Zustand. Wir haben dann den Benzintank auf 100 Liter abgeändert und mit Zwischenwänden verbessert, damit es nicht so gluckst, zusätzlich haben wir noch drei 20 Liter Kanister mitgenommen. Nun ging es ab in Richtung Grenze. Da war aber noch ein Problem, man durfte höchstens 20 Liter mitnehmen, ich sagte mit dann, du musst die alte Methode anwenden und legte als erstes einen 20.- Franken Schein in den Pass, als zweites rechts und links in die Seitentaschen der Türe je 1 Paket Zigaretten, sowie in das Handschuhfach und in die Sonnenblende.

 

Der Italienische Zoll

Ich wusste ja, das die Zöllner da unten sehr schlecht bezahlt waren und sehr hellhörig auf kleine Geschenke waren. Ich weiss noch gut wie ich das erste mal an den Zoll kam, hat der Zöllner die Türe geöffnet und so in die Türtasche geschaut und nachher mich angeschaut, dann ist er seitlich vor die Türe gestanden hat sich umgekehrt und hat die Zigarettenschachtel genommen. Dann schaute er so das Handschuhfach an, stellte sich so davor, dass man nicht sehen konnte was er da machte und nahm auch diese Zigaretten heraus und so konnte ich weiterfahren. Das 2. mal als ich wieder kam, waren komischerweise 2 Zöllner dort und auch die haben sofort meine Türtaschen geleert, sowie das Handschuhfach.  Dann nach ca. 2 - 3 Minuten stand plötzlich ein ganz hoher Beamter in einer Superuniform da, es war ein Carabinieri, wie er hiess, weiss ich nicht mehr, er fragte dann, ob, er mit mir nach Mailand fahren dürfe, ich war natürlich sofort einverstanden und fühlte mich geehrt, dass ein so hohes Tier mit mir fuhr. Irgendwie bin ich dann am italienischen Zoll immer gut weg gekommen. Ich führte dann den Carabinieri an einen von ihm bestimmten Ort in der Stadt Mailand. Als er ausstieg holte er noch die Sonnenblende herunter, so quasi wie wenn er schauen wollte ob es einen Spiegel hat, dabei fielen natürlich die Zigaretten herunter und er nahm sie und steckte sie ein, gleichzeitig blinzelte er mir zu. Also auch die Höheren nahmen Zigaretten an. Ich war dann glaube ich 4 - 5 mal unten und habe 4 Autosattler und 2 Autospengler ausgelesen. Übrigens diese Autospengler waren Goldschmiede also Künstler das war ein Glück für mich. Hingegen die Autosattler waren mittelmässig bis schwach.

 

Der Schweizer Zoll

Bei der Rückkehr, bin ich dann an die Schweizergrenze gefahren und dort nahmen Sie mir das ganze Auto voneinander, Türen, Reserverad etc.  Aber sie fanden natürlich nichts. Obschon wir fast immer etwas schmuggelten, Seide oder sonst spezielle Stoffe. Die schmuggelten wir dann in den Kissen zwischen dem Federkasten und der Polsterung. In der Wattierung habe ich das eingearbeitet, es war ca. 2 -  4 cm dick und dann wieder überzogen, so dass man nichts sah. Da ja in meinem Pass Kaufmann stand. kamen die ja nie auf die Idee. Wir haben glaube ich sogar 2 mal Pelzmäntel geschmuggelt, die sehr billig waren und auch Herrenstoffe. Ich amüsierte mich dann immer, wenn sie mir das Auto voneinander nahmen und nichts merkten. Einmal haben sie mir sogar das Öl abgelassen, aber sie füllten es nicht mehr ein, auch die Räder und alles andere das die Zöllner dementierten, musste ich wieder selber montieren. Am Schweizerzoll dauerte es dadurch immer etwas 3-4 Stunden mit der Zeit kalkulierte ich die Zeit dafür ein, aber eines muss ich sagen, gefunden haben sie nie etwas, dieses Spiel haben sie 3 oder 4 mal mit mir gemacht.  Mich persönlich haben sie nie untersucht. Die Arbeiter die mit mir waren schüttelten nur den Kopf, wenn sie ein Auto so voneinander nahmen. Die wollten dann auch wissen was den die Italienischen Zöllner mit mir machten und ich musste ihnen antworten nichts, gar nichts.

 

Weitere Reisen nach Italien

Einmal war ich auch in Mailand gewesen und habe in einem grossen Parkhaus im 4. Stock parkiert mit Lift. Dann musste ich aber wieder weiter, weil ich in Turin noch mit Arbeiter in einem Restaurant abgemacht hatten. Also als ich am anderen Morgen mein Auto holen wollte, um nach Turin zu fahren, war kein Strom da, also konnte der Lift nicht fahren. Als dann der Strom wieder da war, hatte es die Sicherungen heraus gehauen, als das wieder in Ordnung war, ging der Motor vom Lift nicht mehr, es hatte etwas verbrannt. Also sass ich fest und meine Leute in Turin hatten frei genommen und warteten in dem Restaurant auf mich. Aber eben man musste sich an solche Sachen gewöhnen, es war doch noch so eine Art halber Kriegszustand, es war eine labile Zeit 1945. Nun das dauerte 2 Tage bis ich mein Wagen endlich bekam. Wir fuhren dann trotzdem noch nach Turin. Wir hatten 4 Mann in Mailand, 2 in Turin und einer in Verona. Nun die mussten ja Ausreisepapiere haben und Pässe, das war natürlich neu und ja wie macht man das.  Wenn man weis wie, ist das nicht so schlimm mit den Behörden, aber man musste auch immer schmieren. Man musste wissen wem man etwa eine 1000 Note Lire gab, nicht das der falsche Mann das Geld bekam. Das brauchte so ein richtiges Fingerspitzengefühl, aber mit der Zeit hatte man die Routine darin. In Mailand habe ich mich dann im Stadthaus durchgeboxt, mit der Hilfe von meinem Dolmetscher, ein sehr anständiger, lieber Bursche von ca. 22 Jahren. Er konnte perfekt italienisch und machte einen sehr guten Eindruck und war sehr liebenswürdig. Ich instruierte ihn immer. Mit der Zeit konnte ich auch ganz gut italienisch für den Hausgebrauch.

 

Ein italienischer Freund

Ich habe dann einmal den Chef von der Passabteilung zum Nachtessen eingeladen und einmal den Chef vom Arbeitsamt. Das war ja für uns Schweizer sehr billig. Man konnte also zu zweit oder dritt für 20 Franken sehr gut Essen mit Wein. Nun aber die ganze Prozedur dauerte doch 2-3 Wochen bis man sich da durchgearbeitet hat in diesem Schlamasel. Dann ging es wieder nicht vorwärts, da habe ich den Direktor für ein Weekend eingeladen. Wir fuhren dann nach Santa Margherita, das war auch so eine unglaubliche Abendteuerfahrt, den die Brücken waren ja zerstört, also musste man über Bäche fahren, was ich natürlich vorher nicht wusste. Es war aber trotzdem sehr schön. Ich hatte vorne am Auto so eine schöne Ovale Schweizerkreuz Plakette gehabt.  Sie war etwa 20 cm im Oval und 5cm breit, dass hatte ich vorne und hinten am Auto, dass man sah, dass man Schweizer ist. Dann wurde es immer verwechselt mit dem Rotkreuz. Ich weiss jetzt noch, als wir dann beim Poo waren, hatte es keine Brücke und auch fast kein Wasser. Wir sind dann da hinein gefahren und dort war dann ein älteres Muetterli mit 2 kleiner Kinder und die beiden hatten die Füsse offen, verblutet und vereitert.  Ich habe zuerst einmal die Apotheke aus dem Auto genommen und den Kindern die Füsse verbunden, ich hatte immer eine sehr grosse Apotheke bei mir. Der Direktor fragte sie dann, wohin sie müssten und wir machten dann einen Umweg und nahmen die drei mit. Das war ein Erlebnis, als wir die drei ausluden, wie wir von der Frau und den Verwandten umarmt wurden, es waren ja auch ganz arme Leute, dass werde ich nie vergessen. Nun wir waren dann in diesem Santa Margherita und sind wieder zurück gefahren. Aber irgend wie hat es im Passbüro geharzt, warum weiss ich heute auch nicht mehr.

 

Ich werde Italiener

Der Direktor konnte ein wenig Deutsch, ich glaube er war mal in Gefangenschaft, auch ein wenig Französisch konnte er. Ich ein wenig Italienisch, auf alle Fälle kamen wir uns ein wenig näher und wurden vertraulich und befreundet. Er war eigentlich ein Kommunist, aber quasi ein Edelkommunist. Aber irgendwie musste während dieser Zeit da unten einer bei den Kommunisten oder den Sozialdemokraten sein, sonst hatte er gar keine Existenzmöglichkeiten beim Staat. Dieser Direktor sagte dann zu mir Giovanni, es wäre viel besser wenn du italienischer Staatsbürger würdest, ich sagte dann wieso und warum, er meinte dann es wäre für alles viel besser, wenn er sagen könnte, ich wäre Italienischer Staatsbürger und Schweizer, dann würde alles viel einfacher gehen und schneller. Ich fragte dann, was das kosten würde, und ich glaube es kostet 40 oder 50 Franken, also sehr wenig.  Wir sind dann in das Amtshaus gegangen mit meinen Schriften und ich bekam dann dort die italienischen Schriften von einem Dorf in den Abruzzen und bekam wirklich einen italienischen Pass mit allem drum und dran. Dadurch ging dann die Schriften Angelegenheiten mit meine Arbeiter die ich einstellen wollte plötzlich ganz schnell.  Wieso und warum war mir damals schon ein Rätsel. Zu dieser Geschichte kommt mir nun noch in den Sinn, die Arbeiter haben wir dann in die Schweiz gebracht und ich habe denen Zimmer gesucht und wir haben sie instruiert, das ist eigentlich gut gelaufen. Ich musste dann noch einmal geschäftlich nach Italien, in Mailand habe ich dann eine Geschäftsfreund kennen gelernt, durch einen Bekannten von Zürich den Gosswiler Ernst, der auch mit mir nach Mailand gefahren ist. Der aber immer irgendwie gehandelt hat oder geschoben oder weiss ich was. Er ist oft mit mir hinunter gefahren und wieder zurück. Er hat dort gehandelt aber mit wem und was weiss ich nicht. Er kam dann auch einmal zu mir und fragte mich, ob ich auch italienischer Staatsbürger sei, ich fragte dann, wie er darauf komme, er sagte, er habe das von anderen Schweizer - Italiener gehört und eben mein Italienischer Geschäftsfreund habe es auch gesagt. Er sagte dann ich solle aufpassen, wenn ich mit dem italienischen Pass von der Schweiz nach Italien komme und den Pass zeige können die mich einbeziehen in den Militärdienst und Steuer müsste ich auch bezahlen. Das war natürlich schon 2-3 Jahre her dass ich die italienische Staatsbürgerschaft besass. Er sagte, dann ich würde enorme Schwierigkeiten bekommen, schon weil ich keine Steuern bezahlt hätte. Nun ja, sagte ich mir, das auch noch, ich habe wirklich Angst bekommen.

 

Mein Freund wird verhaftet

Nun meinen Zürcher Freund, der auch da unten war, der Gossweiler, den haben sie verhaftet. Als ich eines Nachmittags ins Hotel kam, sagte mir der Portier, der sehr gut deutsch sprach, das sie den Gossweiler verhaftet hätten, ich wollte wissen wer und er sagte die Carabinieri, ich dachte dann Menschenskind, also hat er doch geschmuggelt oder mit Gold oder weis ich mit was gehandelt. Ich sah dann meinen Mailänderfreund und erzählte ihm das und bat ihn, doch den Oberst von den Carabinieri, den ich kannte, aufzusuchen und ihm zu sagen dass sie einen Freund von mir verhaftet hätten. Ich habe dann im Hotel gewartet bis mein Freund von dem Oberst zurück kam, es war etwa 19 Uhr und er sagte mir, der Oberst würde sich für diesen Gossweiler verwenden, wir sollten uns nun an den und den halten. Ich bin dann mit meinem italienischen Freund in die Polizeistation gegangen. Da kam auch wieder so ein hohes Tier und ich habe wieder meine komische Art vom Kaufen von Beamten in Funktion gesetzt. Ich sagte dann meinem Freund er solle fragen was das koste, wenn wir unser Freund heraus lösen wollten. Das hat hat dann wirklich hingehauen, er sagte die Spesen, die Schreibgebühren und weiss ich was alles, es machte am Schluss einfach alles zusammen 400 Franken. Peng, das war natürlich eine Illusion diese Schreibgebühr, auf alle Fälle konnten wir ihn mitnehmen und weg gehen. Mir war es dann nicht mehr ganz wohl und ich sagte es meinem Freund Ernst dass wir besser weggehen, da ich ja auch Schwierigkeiten haben könnte mit meinem italienischen Pass. Dich haben sie ja nun bereits verhaftet gehabt und man weiss ja nicht wenn das Theater wieder los geht. Also sofort Kofferpacken und ins Auto, los weg. Wir sind dann abends um 19 Uhr weg gefahren und die ganze Nacht durchgefahren bis nach Zürich. Das war also auch so eine kleine italienische Episode. Ich habe dann meinen italienischen Pass und alle Papiere verbrannt, es ist eigentlich schade, ich hätte den eigentlich als Andecken aufbewahren sollen. Ich bin dann längere Zeit nicht mehr nach Italien gefahren.

 

Jahre 1946-1947

Jetzt geht es darum die ganze Carrosserie neu aufzubauen.  So viel ich weiss, hatten wir 8 - 9 Autosattler und 6 oder 7 Spengler, ca. 3 - 4 Lehrbuben, ein Bürolist und einen Buchhalter, so haben wir also 1946 / 47 angefangen. In dieser Zeit war ein sehr grosser Mangel an 8 und 9 Plätzer - Taxi.  Wir häuften normale 4 türige Plymouths, man muss sich das vorstellen, die haben wir genau in der Mitte voneinander geschnitten hinter der zweiten Türe und haben 40 cm eingesetzt und das Chassis verlängert. Bei der Kardanwelle Zwischenlager eingesetzt und zwei Notsitze eingebaut und in der Regel oben ein Schiebedach Faltdach eingesetzt, und so hatten wir nachher 8 plätzige Taxis. So viel ich weiss, haben wir von denen etwa 5 oder 6 Stück gebaut.  Zuerst hatten wir Schwierigkeiten mit der Kardanwelle, weil die dann ins Schwingen kam, also mussten wir mit einem Zwischenlager verstreben, wir mussten Streben einbauen. Komischerweise fingen wir dann auch an mit Auswuchten, ich kaufte dann in Deutschland eine Auswuchtmaschine. Mit der konnten wir dann die Kardanwellen auswuchten. Sie und höre wir konnten sogar Kolben auswuchten, dies hat alles der Gossweiler Ernst gemacht, der war in der Beziehung ein Genie. Dann kamen auch langsam wieder mehr neue Fahrzeuge.

 

Pauschal Preise

Ich erinnere mich noch, es hat da nochmals so ein kleines Geschäft gegeben.  Amag konnte nach Tschechoslowakei und Ungarn ca. 3 - 400 Plymouth und Chrysler exportieren. Es waren Occasionen die mussten mechanisch und carroseriemässig in Stand gestellt werden.  Am Anfang hatten wir mal 20 - 30 Stück gemacht, also überholt, der eine kostete 500.- Fr. der andere der schöner und im besseren Zustand war nur 60.- Fr. Da wurde die Amag sauer und wollte dass wir einen Einheitspreis machen, es war immer das gleiche mit denen. Sie müssten das haben für Ihre Berechnungen. Nun gut sagte ich, wir müssen für jeden Wagen 250 Franken haben. Wir haben uns dann nach der Decke gestreckt und kamen sehr gut heraus dabei. Im Schnitt haben wir dann doch an jedem Wagen noch Fr.100.- verdient.  Dieses Geschäft wurde dann auch innerhalb einem halben Jahr abgewickelt. Ein kleines Geschäft war auch, dass wir Cabriolet modernisiert haben, das sie hinten eleganter aussahen. Wir haben also so so ca. 30 - 35 Cabriolet so geändert, war auch eine Spezialität von uns.

 

Eigene Carrosserien

Ich kam dann plötzlich wieder auf eine Idee, man könnte doch eine Limousine, speziell den Käfer in einen 2 Plätzen Roadster - Cabriolet umbauen. Wir haben dann die Carrosserie herunter genommen beim Käfer und haben ein 2 plätziges Roadster Carrosserie darauf gemacht, es war eine ganz neue elegante Form zu dieser Zeit. Wir haben dann das Auto verschiedene Male fotografiert von allen Seiten.

Foto: Der Sportwagen auf VW Chassis

Wir hatten dann mit der Vorderachse Schwierigkeiten, aber warum weiss ich eigentlich auch nicht mehr. Wir mussten dann eine andere Achse darunter machen und soviel ich weiss, war es eine Porsche - Achse. Wir haben dann das Auto dem Vizedirektor von der Amag Herr Alfred Debrunner verkauft für Fr. 5'500 haben aber dabei nichts verdient, denn effektiv kam uns das Auto auf 13 - 14000.- Franken. Er selber hat dann auch noch daran herum gebastelt, ich weiss aber nicht genau was, er hatte ihn glaube ich 2 Jahre und dann hat er ihn weiter verkauft. Ich habe dann das Auto aus den Augen verloren, bis dann mein Sohn Hans mit einem Amerikaner bei mir auftauchte. Doch diese Episoden weiss Hansi selber besser.

 

Zu diesem Auto eingefügt im Jahr 2002

Der Wagen wurde in Amerika in schlechtem Zustand von einem Sammler gekauft und darauf restauriert und für ca. Fr. 50'000.- an einer Auktion in England versteigert.

Hier ein Bild vom Wagen wie er in Kalifornien USA gefunden wurde

 

Ich möchte hier den Artikel aus der Zeitung CarCollector einfügen

Eingefügt: 15.10.2004:

Dieses Auto, von meinem Vater noch vor 1950 gebaut, taucht immer wieder als der Vorfahre der Porsche 356 auf. Jetzt im Oktober 2004 findet man es im Internet auf dem Titelbild des vornehmsten Automuseums BLACKHAWK in Amerika.

Das Titelbild:

Detail Ansichten aus dem Internet auf der Seite von diesem Museum:

Es steht neben den berühmtesten Autos der Welt:

   

Der Wagen wird auf der Homepage des Blackhawk mit folgendem seltsamen Text beschrieben:

1948 PORSCHE
“Pre-A” One-Off Waibel-bodied Cabriolet

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For Porsche purists, the Type 356 is the classic model from this distinguished marque. With its Volkswagen-derived layout of an air-cooled engine mounted at the rear, the Type 356 began a remarkable bloodline that survives to the present day.
Its historical significance is undoubted, but the Type 356 is also a car with special virtues — distinctive styling, first-class engineering, functional design, and tremendous driver appeal. Through four distinct model phases — ‘Pre-A,’ A, B, and C — the Type 356 evolved in a smooth progression, with numerous specification changes that improved the car without changing the essence of its personality.
Over time, the shape received subtle refinements, while engine power rose from the earliest version’s 40 bhp to the 130 bhp of the 1962-63 Carrera 2’s 2-litre/four-cam unit. This cabriolet is a one-off prototype built in 1948 on a pre-A production chassis Dr. Porsche gave to a friend who happened to be the largest VW dealer in
Austria ; Waibel Karosserie of Zurich , Switzerland created the coachwork.
This car had been owned by a
Hollywood movie producer who used the car in two early television commercials; it was found in a garage in East Los Angeles in 1990, and was meticulously restored by Hill and Vaughn in Marina Del Rey, California , before being shown at Pebble Beach in 1992.

 

Engine:
Flat-Four Cylinder “boxer”
82.5 mm bore, 74 mm stroke
1582 cubic centimeter (cc)
75 hp.
@ 5000 rpm.

Price when new: N/A

Body/Coachbuilder:
Waibel Karosserie
Zurich, Switzerland

Manufacturer:
Porsche Cars
Gmünd , Austria

 

Nachtrag

Ich habe heute am 22.8.2005 noch folgende Meldung zum oben beschriebenen Wagen erhalten:

Die Firma, bzw. das Museum Blackhawk soll für den Wagen 230'000 USD bezahlt haben

Nachtrag am 2.2.2010

wieder wir von diesem "Porsche" von meinem Vater gebaut berichtet:

 

 

 

 

 

  

* *  Ende der Einfügungen  * *

Der umgebaute Austin

Zum zweiten habe ich einen Austin Six abgeändert, wir haben ihm aber nicht die ganze Carrosserie herunter genommen.

Foto: Das Austin Cabriolet

 Wir haben ihn einfach nach der Windschutzscheibe beim Türpfosten abgesägt, und den hinteren Teil weggeworfen. Den hinteren Teil neu gemacht und ein komplettes Cabriolet gemacht, also nicht ein Roadster sondern ein richtiges Cabriolet mit einem Innenhimmel und eleganter Form und schönen Polster. Diesen haben wir dann sehr gut verkauft. Der kam auch noch lange immer zu uns in den Service und war immer wieder bei uns. Das war also der 2. Wagen, mit dem waren wir auch am Auto-Salon, da gab es eine Ausstellung, also eine Schönheitskonkurrenz in Luzern. Es gab goldene, silberne und bronzene Medaillen. Ich bekam also mit diesem Austin eine bronzene Medaille. Es war ein sehr schönes Cabriolet und ich konnte eigentlich nicht verstehen, dass dieses Auto nicht eine bessere Note bekam, gegenüber den Autos die dort standen.

 

Weitere Geschäfte mit der Amag

Da kam die Amag und sollte dringend sofort 100 VW Käfer haben mit Schiebedächer. Das Werk war noch nicht so weit mit Schiebedächer einbauen und wir hatten ja schon immer Schiebedächer eingebaut. Wir bekamen dann den Auftrag an 100 Käfer Schiebedächer einzubauen. Das brauchte natürlich eine gute Organisation und ich musste der Amag klar machen, dass wir höchstens mal für 50 Käfer Platz hätten. Die wollten aber am liebsten alle 100 auf einmal bringen, aber wohin auch damit, wir hatten mit 50 Stück schon das ganze Seefeld damit belegt. Nun dieses Geschäft mit den 100 Schiebedächer ging gut über die Bühne und es war ein gutes Geschäft.

 

Umbauten und neue Aufbauten

Wir hatten auch noch eine Spezialabteilung, wo wir Carrosserie -Neubauten gemacht haben.

Foto: Der erste Lieferwagen für das Jelmoli Kaufhaus auf einen Packart Luxsuswagen aufgebaut

Wir haben sogar auf 3,5 Tönner Wagen Lastwagen haben wir Kastenwagen aufgebaut. Davon haben wir 15 Stück gemacht für den Jelmoli. Herr Direktor Loran hatte die uns gegeben. Es war ein sehr gutes Geschäft.

Aufträge von der Polizei KP Zürich

Dann darf man natürlich auch das Geschäft mit der Kantonspolizei Zürich nicht vergessen, das ging Jahrzehnte. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis mit der Polizei Werkstatt mit dem Polizei Kommandant Herr Dr. Früh und Herr Dr. Boller und den anderen Herren. Was wir da alles gemacht haben. Zum Beispiel haben wir 12 Stück Gefangenen Wagen gemacht.  VW Kastenwagen wurden umgebaut, innen wurden sie auch umgebaut mit spezial Türen aus Sicherheitsgründen. Es hat sich sehr gut bewährt und es ist mir nie je einmal bekannt worden, das einer ausbrechen konnte oder diese Türe öffnen. Mit der Zeit hatten wir natürlich eine grosse Erfahrung. Die älteren Arbeiter wurden dann mit der Zeit ausgeschieden und die neuen, die gut waren sind dann längere Zeit im Betrieb geblieben. Auch 5 Porsche haben wir geliefert als Patroullienfahrzeuge auf der Strecke. Das gab damals eine Aufruhr, weil ich jetzt derjenige sei, der es möglich mache dass die Verkehrssünder bestraft wurden.

Foto: Porsche Streifenwagen der KP Zürich

Zu dieser Zeit waren die Radar - Geräte noch nicht so bekannt, sondern diese Porsche waren grosse Mode. Diese Porsche wurden auch von uns ausgerüstet mit Funk, rundum Beleuchtung und Werkzeug und was es so brauchte um Unfälle aufzunehmen. Ein solcher Porsche kostet ca. 55'000 Franken mit dem Umbau zusammen. Weiter konnten wir im Abstand von 2 Jahre 2 Chrysler liefern, Limousine 8 plätzig die wir auch umbauten als Patrouillen Wagen zum Unfälle aufzunehmen. Das war auch eine sehr grosse Arbeit. Früher hatte die Polizei gewöhnliche Limousinen mit Anhänger, in denen sie das ganze Werkzeug hatten. In den 8 Plätzern hatten wir der hintere Teil so hergerichtet, dass das ganze Werkzeug dort Platz hatte. Im Weiteren konnten wir auch zwei grosse Landrover liefern. Der Grund war: Zweimal waren da Überfälle, einmal am Uetliberg-Kulm und einmal auf der Buechenegg. Die Polizei konnte aber mit Ihren gewöhnlichen Fahrzeuge nicht dort hinauf fahren. Es wurde dann grosse Mode, ganz schnell Landrover anzuschaffen, doch so beliebte waren sie danach nicht. Nur für auf die Buechenegg zu fahren, war das Fahrzeug das Richtige. Im weiteren haben wir natürlich neben der Polizei auch noch andere Fahrzeuge gemacht.

Foto: Grosser Chrysler als Stationswagen als Unfall - Aufnahme Wagen umgebaut für die KP Zürich

 Verschiedene Umbauten

Zum Beispiel bei der Feuerwehr haben wir auch Auto umgebaut oder neu gemacht. Einmal ein Chevi Chassis und 2 oder 3 mal ein Landrover komplett ausgerüstet mit Leiter und allem drum und dran was dazu gehört. Weiter haben wir auf ein Chrysler Chassis die Carrosserie herunter genommen und einen Krankenwagen für die Stadt Zürich umgebaut. Das haben wir aber nur einmal gemacht, dann haben wir die Hände davon weg genommen, den die Konkurrenz wurde unheimlich gross. Den Krankenwagen haben wir aber auch mit allem was dazu gehört gemacht, nur eben früher waren die viel einfacher ausgestatteter, als heute. Auch einen Leichenwagen haben wir gebaut mit einem Chevi-Chassis gemacht.  Man glaubt gar nicht was es dafür für Vorschriften gibt, der ganze Wagen musste wir mit Bleiblech ausgerüstet, also mit verbleitem Blech, verzinkte Schrauben und dazu Luftdicht und Wasserdicht abgeschlossen, auch zum Chauffeur musste es abgeschlossen sein.  Der Boden auch mit speziellem Belag, dass man mit Wasser heraus spritzen konnte oder desinfizieren konnte, es war also eine sehr komplizierte Sache so einen Leichenwagen. Wir mussten  in für die Schmid Garage in Horgen machen, die hatten uns das übergeben. Das geht alles auf Konto Carrosserie - Aufbau.

Dienstleistungen für andere Garagen

Wir hatten dann in der Carrosserie noch eine Spezialität gemacht, die eigentlich nur das Garage Gewerbe gemacht hat. Wir haben eine Einrichtung gemacht, mit denen man die Vorderachsen vom VW Käfer und auch alle anderen Vorderachsen richten konnte. Es war eine sehr komplizierte Einrichtung, wir konnten auch die VW-Chassis darauf richten. Wir konnten auch die ganzen Chassis darauf richten und vorne den Kopf auswechseln und wieder anschweissen etc. Auch für die Porsches hatten wir das und es war eine Zeitlang ein sehr gutes Geschäft. Aber eben das geht vier fünf Jahre, wie alles andere auch und dann ist es fertig.

   Foto: Unsere Chassis Richt Einrichtung

Auch hatten wir eine spezielle Rad - Richtpresse wo man Felgen richten konnte, den die waren ja früher sehr  teuer und das konnte man so für 20-30 Franken, wo doch eine neue Felge 3 bis 4 Fach mehr kostete, wir konnte man fast jede Felge die eingedrückt war richten.

Grossgarage Waibel AG, jetzt Amag Letzigrund

Es folgt nun auch wieder ein Zeitabschnitt, ein Erlebnis mit eigentlich sehr grosser finanziellen Auswirkung. Das war der Neubau der Grossgarage Waibel AG an der Badenerstrasse 565. Dieser Neubau wurde von der Fettschmelze AG gebaut. Die Herren kamen zu mir und sagten sie möchten eine Garage bauen und unten mit Einstellmöglichkeiten und oben mit Ausstellungsmöglichkeiten mit allem drum und dran und ob ich mich nicht vergrössern wollte.

Foto: Die neue Garage, Ausstellungsraum und Tankstelle

Nun ja, wie es so ist, wenn man den Grössenwahn hat. Ich hatte einmal den Wanger gefragt, ob er Interesse hätte mit mir eine Aktiengesellschaft  zu gründen, er war eigentlich ausschlaggebend, den ohne ihn hätte ich das nicht machen können. Er war also damit einverstanden und sagte es wäre nicht schlecht, aber er möchte seine Frau auch mit einbeziehen.  Er schlug vor 1/3 seine Frau, er 1/3 und ich 1/3. Er garantierte mir, dass ich bevorzugt würde mit allem, dass mich die Amag Schinznach unterstützen würde.

Foto: Die Einweihung, die Werkstatt

Somit haben wir eine Aktiengesellschaft gegründete. Es war also alles bestens und wunderbar. Die Garage wurde eröffnet und es war ein grosses Fest mit Musik und sie mussten die ganze Badenerstrasse absperren.

Foto: Links von mir Amag Direktor Wanger

Es war also alles modern eingerichtet, wir hatten 10 Lifte, eine moderne Auto - Wäscherei, eine Service Strasse, eine Tankstelle einfach alles. Nun die erste Schwierigkeit hatten schon bald angefangen, nach einem halben Jahr hatten wir schon 35 oder 37 Autos verkauft gehabt, und man sollte in diesem Monat die Autos ausliefern, wie man es uns versprochen hatte, dass wir sie an die Kunden abliefern konnten. Aber nur 12 Autos haben wir bekommen. Da ist mir natürlich sofort aufgefallen, dass hier ein gemeines Dreckspiel gemacht wird, dass sie mich einfach bremsen, bremsen dass ich mit dem Verkauf nicht gross heraus kommen kann, sie hatten es ja in den Händen. Sie gaben mir einfach nur einen Drittel von dem, was ich haben musste. Ich hatte es ja nicht für möglich gehalten, denn ich dachte, wenn der Wanger ( Direktor der Amag) und seine Frau bei mir Aktionäre sind, dann sorgt doch der für mich. Ja da hab ich den grossen Hammer bekommen, das war alles eine Finte eine gemeine Sache, wie das eingefädelt  wurde. Das ist dann so gekommen, dass ich im 2. Jahr, das heisst im 1. Jahr habe ich drauf gelegt und im 2. Jahr auch, aber nicht mehr so viel.

Foto: Der moderne Oelwechsel und Schmierplatz

Aber wenn ich alle Fahrzeuge ausgeliefert hätte, hätten wir noch etwa 30 bis 40'000 Franken verdient. Das habe ich dann ausgerechnet, aber eben durch dass, das ich die Fahrzeuge nicht bekam, kam ich in die roten Zahlen. Das haben die natürlich so gesteuert, sehr gut gemacht, aber die Amag war ja für das bekannt, dass sie Halsabschneider waren und ich hatte geglaubt ich sei der Schlauere dass ich den Wanger und seine Frau mitnehme. Ja nun was ist passiert Herr Wanger lies sich von seiner Frau scheiden, und die wehrte sich und wollte das Aktienkapital nicht heraus nehmen, denn sie hatte es durchschaut, dass mir der Wanger den Strick drehte und das ich nachher irgendwie als Angestellter oder so etwas war und das hatte sie gewusst und wollte da nicht heraus. Sie haben es dann aber doch fertig gebracht, sie haben ihr die Aktien ganz teuer abgekauft, so das ich also nur noch einen drittel Aktien gehabt habe. Nun, was wollte ich damit anfangen, ich musste ob ich wollte oder nicht, zwangsläufig austreten. Ich vergesse nie, da bin ich gerufen worden zum Herr Hefner in die Claridenstrasse in sein Büro und bin da gesessen und hatte eine gottverlassene Wut gehabt.  Als erstes hat er mir gesagt, also eines ist sicher er wolle dazu stehen, ich sei nicht Schuld, dass wir in den roten Zahlen sind, ich hätte so und soviel Wagen nicht bekommen und sie konnte nicht abgeliefert werden, trotzdem hätte ich nur noch einen Drittel der Aktien und somit mache er mir eine einen Vorschlag, sie würden mir meine Aktien ausbezahlen, aber nicht sofort, jetzt kommt ja erst das Gemeine, sondern erst in fünf Jahren. Die hatten nämlich Angst, dass ich irgendwo eine andere Vertretung nehmen würde mit dem Geld und wieder eine Garage eröffnen, so hatten sie mir einfach diesen Bremsklotz gegeben.  Auf der anderen Seite haben sie gesagt ich könne den Direktor Posten annehmen in der Waibel AG oder von einer anderen Amag Organisation einen Posten als Direktor annehmen. Das sei das, was sie mir anbieten können und ich solle mir das überlegen und dann Bescheid geben. Ich muss sagen ich habe geheult wie ein kleiner Hund dass es solche Gemeinheiten gibt. Was habe ich gemacht, ich bin verreist, ich muss also ehrlich sagen solche Gemeinheiten, dass ist fast nicht zu glauben, ich habe aber nachher noch viel mehr solche Gemeinheiten von der Firma Amag vernommen. Ich habe geglaubte, ich hätte es gescheit gemacht, indem ich Herr und Frau Wanger als Teilhaber habe, aber eben ich habe falsch gewählt, ich war draussen.

Meine eigene VW Vertretung

Als ich ein halbes Jahr draussen war, dachte ich, die Carrosserie war ja nicht VW Vertretung, das war die Gross - Garage Waibel AG. Ich nahm dann mit Herr Hutter von der Amag Schinznach Kontakt auf und fragte ihn, ob sie mir nicht aus dieser Miesere heraus helfen könnten, indem ich die VW Vertretung bekäme. Er war dann damit einverstanden, sagte aber ich bekäme nicht die B Vertretung sondern nur die C Vertretung. Ich war zufrieden, dass ich überhaupt wieder eine Vertretung bekam, wenn auch nur die C. Ich habe dann wieder weiter gearbeitet mit dieser Vertretung.

Eigen Zubehör Fabrikation

1960 habe ich dann auch wieder einmal neue Ideen gesucht und auch gefunden.  Wir haben im 1.Stock die Zubehör Fabrikation aufgenommen. Da hatten wir einen sehr tüchtigen Vorarbeiter gehabt, den Wider Sepp und auch selber noch gute Arbeiter gehabt, wie der Huwyler Willy, das war ja mein Schwager, der hatte sich sehr gut eingearbeitet in der Fabrikation, er war ja gelernter Autosattler.  Wir haben da oben speziell angefangen mit Kühlerrouleaux anzufertigen.

Foto: Das Universal Kühlerrouleaux eingebaut

Ich kann nicht ganz genau sagen wie viele, aber im Gesamten haben wir sicher 200 000 Stück gemacht, das war auch eine Zeitlang ein sehr gutes Geschäft gemacht. Daneben haben wir aber auch noch Kühler - Jalousien gemacht. Von den Jalousien haben wir zweierlei gemacht, die einen musste man von Hand verstellen wie das Kühlerrouleaux, das musste man auch von Hand auf und abziehen, die Jalousien konnte man auch von Hand auf und abziehen. Da habe ich mit einer Deutschen Firma ein elektrisches Mamo System erarbeitet, dadurch sind die Jalousien vollautomatisch auf und zugemacht worden. Das war folgendermassen vor sich gegangen. Ich habe in den Wasserkühlschlauch ein Thermometer eingesetzt und in diesem Thermometer hat es verschiedene Schaltpunkte gehabt, bei ersten hat es die Jalousie zugemacht, beim nächsten halb geöffnet und beim übernächsten hat sie ganz aufgemacht. Wurde die Zündung ausgeschaltet, wurde die Jalousie zugemacht, damit die Wärme darin geblieben ist. Hat man die Zündung wieder eingeschaltet hat sie je nach der Temperatur wieder aufgemacht, also wir machten automatische Kühlerjalousien, auch das hat sich nicht schlecht angelassen. Wir haben sämtliche Fahrzeuge der FBB Wetzikon, von Neuem Warenhaus und Oskar Weber, Jelmoli und noch viele andere Lastwagen damit ausgestattet. Sicher waren es gegen die 100 Lastwagen die mit automatischen Jalousien umgebaut wurden. Wir hatten auch Modelle am Autosalon in Genf ausgestellt. Es war ein Geschäft, ja vom Handwerker aus gesehen war es eines, vom Kaufmann aus gesehen war es kein Geschäft.  Weiter haben wir noch mit Gepäckträger angefangen. Wir hatten die aus Aluminium Rohren gemacht, eine ganz spezielle neue Form haben wir gemacht. Nicht so eckig, sondern Stromlinienförmig. Wir haben diesen Gepäckträger Universial - Gepäckträger genannt.  Auch die Kühlerrouleaux haben Universal Kühlerrouleaux geheissen und die automatischen Jalousien haben auch Universal - Jalousien genannt.

Der Namen Universal war geschützt und das war gut so, denn von den Gepäckträger konnten wir in der ganzen Schweiz liefern, also ein sehr gutes Geschäft.  Zuletzt was es nur noch ein Zusammensetzspiel bei unserem Gepäckträger ist praktisch nichts geschweisst worden.

Foto: Die Ausstellungsstand am Genfer Automobil Salon

Es war also ein sehr interessantes Geschäft. Es hat ungefähr 10 Jahre gedauert und man fragt sich heute, warum hat man da aufgehört, komischerweise hat da auch wieder die Ausländische Konkurrenz zugeschlagen, wie schon früher. Die Konkurrenz kamen aber nicht etwas aus dem Osten sondern aus Norwegen. Die waren so billig das ihr Preis bei unseren Gepäckträger nur das Material gab, und bei den Norweger den Kompletten fertigen.  Nun stellte ich diese Fabrikation ein.

Sicherheitsgurten

Nun kommt wieder ein neuer Abschnitt, ein sehr sehr Interessanter. Ich hatte ja schon der Verkaufsleiter Herr Carotta, er hatte die grosse Begabung, er konnte perfekt Englisch schreiben und sprechen. Wir sind dann zusammen nach London, an den Autosalon gegangen. Wir wussten eigentlich nicht so recht warum, aber ich glaube es war wegen den Campingwagen. Wir hatten ja schon damals Kastenwagen auf Reisewillige umgestellt, davon haben wir etwa 3 oder 4 Stück gemacht.  Wir wollten eigentlich sehen, ob das Campinggeschäft schon reif ist, aber es war noch nicht soweit, gegenüber heute, jetzt ist es ein Riesengeschäft. Wir sind dann so herum gelaufen und haben dort die Sicherheitsgurten gesehen. Dann haben wir die schwedischen Gurten, die Klippan angesehen und da gab es noch die von Irwin. Die Klippan war bereits vertreten in der Schweiz. Die Irwin, die suchten noch Vertretungen in ganz Europa. Somit sind wir dann mit der Firma Irwin das erste Mal zusammen gekommen am Salon in Genf, und haben dort mit verschiedenen Herren gesprochen und zwar kann ich mich noch an folgenden Herren erinnern es waren sehr hohe militärische Leute, Air Commander Dean und Kapitän Len Tschen. Mit denen haben wir die ersten Gespräche aufgenommen, die haben uns dann eingeladen, wir sollten uns anmelden und zu ihnen in die Fabrik kommen nach Lethworth nach England. Das haben wir dann später gemacht, wir haben uns also angemeldet der Otto und ich.

Foto: Unser Sicherheitsgurten Stand in Genf am Salon

Besuch der Irwin Fabrik

Man muss die englische Zuvorkommenheit sehr loben. Wir sind also mit dem Flugzeug in Heathrow gelandet und der Air-Commander Dean hat uns dort abgeholt, wir kannten ihn ja vom Salon her.  Er ist mit uns mit einem Taxi zu irgend einem Bahnhof gefahren und mit dem Zug nach Letshworth gefahren. Der Zug hatte sogar einen Speisewagen und der Air Commander hat uns dort beide sehr grosszügig bewirtet, so wie wenn wir Generaldirektoren wären. Das vergesse ich nie, diese Anständigkeit von diesen Engländer. Dieser Commander war ja ein grosses Tier im Militär, trotzdem die Einfachheit und Liebenswürdigkeit in Person. Nun gut wir sind in dieser Fabrik angekommen, die Ortschaft ist etwa so gross wie Uster, oder noch besser wie Baden. Alles so ein oder 2 stöckige Fabriken, so wie man es in England hat. Das meiste aus Holz oder teilweise aus Beton, aber eben alles erbärmlich, es war ja etwa 20 Jahre nach dem Krieg, sie hatten noch nicht viel aufgebaut. Nun die Hauptarbeit die diese Fabrik machte waren Fallschirme, die Fabrikation von Sicherheitsgurten und Sicherheitsschlösser haben sie nachträglich als 2. Artikel aufgenommen. Der Hauptsitz war in Amerika von der Fallschirmfabrik und in England hatten sie dann eine Niederlassung eingerichtet schon vor dem Krieg und während des Krieges. Nun hatten Sie noch ein Patent von einem Sicherheitsschloss übernommen, übrigens ein ganz simples simples Schloss, aus einem Aluminium - Rahmen mit einer Zunge die dann das Gegenstück einhängt. Meistens hat es gehalten oder ist auch wieder aufgegangen. Ich habe also die ganze Fabrik besichtigen können, auch die Fabrikation der Fallschirme.  Sie fragten mich auch, ob ich nicht auch an den Fallschirmen Interesse hätte. Das fabrizieren der Fallschirme war ja nicht schwer, hingegen das verkaufen war aussichtslos. Den Private gab es sehr wenig und das Militär hatte damals die Pionier und da war also nichts zu machen. Die Irwin hatte ein grosses Geschäft und das war eigentlich ein Geheimnis, sie hatten die Lizenz von Schleudersitzen übernommen von irgend einer amerikanischen Fabrik und das war natürlich ein riesen Bombengeschäft. Ich weiss nicht wie viel 100'000 Franken so ein Schleudersitz gekostet hat. Die Firma Irwin hat also diese Schleudersitze gebaut und haben Sie dann an verschiedene Flugzeugfabriken verkauft. Darüber wurde natürlich ein unheimliches Geheimnis gemacht, wie und was. Dann habe ich dann gehört das die Firme Irwin grosse Schwierigkeiten hatte und eine deutsche Firma beigezogen hatte. Dann habe ich gehört Dr. Sedelmeier in Hamburg, den kannte ich von früher her und wusste dass er sehr gute intelligente Leute zur Hand hatte. Und siehe da, dieser Dr. Sedelmeier hat dann den Schleudersitz fertig gemacht dass, wenn man auf den Knopf drückte, der Schleudersitz wirklich funktioniert hat. Ich wusste nur, dass es vorher von 5 Versuchen 4 mal nicht geklappt hat. Der Dr. Sedelmeier hatte auch Sicherheitsgurten und Schlösser gemacht auch so komische, er hatte mit denen auch viel Geld verdient.  Aber um den Schleudersitz wurde immer ein grosses Geheimnis gemacht. Der Commander lud mich dann einmal eine und zeigte und erklärte mir alles. Ich habe in dieser Fabrik verschiedene Sicherheitsgurten - Schlösser gesehen, auch was in Vorbereitung war.

Ich werde Irvin Vertreter

Gut ich bekam die Vertretung von dieser Firma für die Schweiz und Österreich. Viel versprach ich mir von diesem Geschäft allerdings nicht, doch es war für mich interessant, so wusste ich immer Bescheid wie man Sicherheit- Schlösser machte und wo. Auch da hat es verschiedene Geheimnisse, mit den Schlösser und Gurtbänder, was die Dehnung betrifft. Sie mussten schwer entflammbar sein, sie durften nicht abfärben und sie durften nicht abreiben, das waren alles Vorschriften. Ja das habe ich alles bei der Irwin gelernt. Gut ich bin dann wieder in die Schweiz zurück gereist. Ich habe dann ganz klein und komisch angefangen.

Es war dann mein Glück, dass es in der Schweiz einen Gurtbandfabrikanten gegeben hat. Im Kanton Aargau, ich weiss aber nicht mehr wie der hiess, er hatte eine kleine Bandweberei gehabt. Er hatte auch von diesen neuen Gurten für die Autos gehört, und er hat dann mit mir zusammen diese Bandfabrikation aufgenommen. Er ist dann auch mit mir zur EMPA gegangen und hat dort die Bänder prüfen lassen und weiss ich was alles. Das hat 2 oder 3 Jahre gedauert mit diesem Bandfabrikanten, er hat es aber nicht fertig gebracht. Dann bin ich wieder einmal an den Salon nach London gegangen, dort hatte man mir einen Schweizer vorgestellt Jo Wildi, er war Aargauer, sein Vater lebte noch dort und er war nach England ausgewandert. Er war Besitzer einer Bandfabrik und er hatte schon immer mit der Irwin Fabrik zusammen gearbeitet. Er hatte natürlich einen Riesen Vorsprung in technischer Hinsicht, weil er das schon Jahrzehnte gemacht hat. Er war dann froh, dass er mich kennen lernte und somit den Schweizermarkt beliefern konnte. Ich meinerseits war auch froh. Ich habe dann mit ihm zusammen die Schweizernormen versucht zu machen mit Prüfung in der Empa, den die waren ja sehr streng in jeder Hinsicht. Er versuchte auch die Schwedischen Normen zu erfüllen, es gelang ihm aber nicht. Die Engländer hatten sowieso eine viel einfachere Norm, auch die Italiener. Die Deutschen machten auch was sie wollten. Nun gut mit der Zeit haben wir dann zusammen mit der EMPA die Schweizer Norm fertig gebracht, aber dann ist eine grosse neue Schwierigkeit gekommen. Die Schweizer-Norm wurde von der EG nicht angenommen. Darauf hat die EG auch wieder mit einer neue Normen angefangen. Sie einigten sich dann mit den Schwedischen und holländischen Normen. Worauf wir wieder neu anfangen mussten, denn die Gurten und die Schlösser wurden wieder abgeändert. Gut wir kämpften uns da durch und es gelang uns dann auch diese Norm her zustellen. Ich versuchte dann die Gurten den Engländer zu verkaufen, was mir nicht gelang. Aber den Spaniern und den Franzosen konnte ich sie verkaufen, ja sogar nach Afrika musste ich liefern.

 

Vorläufiger Schluss vom 3.9.99

Aufgeschrieben von Tonband Aufnahmen die mein Vater ca. 1992 gemacht hat.

Bearbeitet und Fotos eingefügt vom Sohn Hans Waibel am 4.9.99

Weitere Bearbeitung und noch 5 Fotos eingefügt am 14.12.2001 vom Sohn Hans Waibel

 

L E B E N S L A U F

Hans Werner Waibel 1914

1889 Vater Julius Waibel geboren in Bonndorf Deutschland

1912 heiratete er meine Mutter Maria Seematter geboren in  Saxeten, die 2    Söhne gebar.

1913 Julius Waibel geboren

1914 Hans Waibel 7. Oktober geboren

1918 starb mein Vater, ich gehe nach Saxeten

1921 nach Zürich zurück

1921 in die Primarschule

1926 in die Sekundarschule

1929 in die Lehre

1934 ein Jahr als Arbeiter

1934 bis l938 Arbeiter in Firma AMAG, Zürich     Kreuzstrasse.

1932 18 Jahre Fahrprüfung und erstes Auto

1933 Abschlussprüfung

1935, 20 jährig Rekrutenschule im Februar

1938 1. Oktober mit 24 Jahren Geschäftseröffnung Auto-Sattlerei Kreuzstr.36a

1939 2. September Mobilmachung Aktivdienst bis 1945

1941 Heirat mit Katharina Huwyler, geboren 1914 aus dieser Ehe 3 Kinder

1942 Erste Tochter geboren

1945 Waibel Hans Sohn geboren

1945 Ende der Aktiv - Militärzeit

1946 Zusätzlich Carrosserie Spenglerei eröffnet

1950 Zweite Tochter geboren

1954 Grosselternhaus in Saxeten Niedermatt umgebaut

1953 Zusätzliche Garage eröffnet

1955 Haus in Grindelwald gebaut

1957 Neubau der Grossgarage Garage Waibel AG Badenerstrasse

1958 Haus in Witikon gekauft

1959 Austritt aus der Grossgarage Waibel AG

1959 VW Vertretung an die Carrosserie Waibel 8008 Zürich

1960 Zubehörfabrikation in Carrosserie aufgenommen

1966 Bruder Julius gestorben

1968 Sohn Eintritt in die Garage

1970 Sicherheitsgurtenaufbau Eigenfabrikation "Universal" Gurten aufgenommen

1970 Irvin England Linzenzen Zusammenarbeit

1976 Export Südafrika Austin Hartley

1977 Gründung von Reprapress AG Romanshorn Fabrik in    Romanshorn gebaut für Sicherheits und Industriegurten fabrizieren

1980 Austritt aus der Repapress

1984 Austritt aus Firma Waibel Auto AG

1985 Herzinfarkt

1986 Neuer Wohnort Saxeten

1990 Neuer Wohnort Habkern

1993 Auswandern nach Spanien

1999 Gestorben am 5.12.99 in L ‘Ampolla.

Der Friedhof in L'Ampolla

Das Grab meines Vaters